Gut Rödinghausen

Gut Rödinghausen Buntstiftzeichnung

als Museum für die Industriegeschichte Mendens und der Region mit kulturgeschichtlichem Erlebnisbereich

Das im Mendener Ortsteil Lendringsen gelegene Gut Rödinghausen war der Wohnsitz eines der bekanntesten Adelsgeschlechter Westfalens, der Freiherren von Dücker. Das klassizistische Herrenhaus aus dem Jahr 1807 ist von einem an die Hönne angeschlossenen Grabensystem und einem historischen Landschaftspark mit altem Baumbestand umgeben. Literarische Bedeutung erhielt Rödinghausen durch die Aufenthalte der berühmtesten deutschen Dichterin, Annette von Droste-Hülshoff. Die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz und wurde im Jahr 2007 von der Stadt Menden auf Erbpachtbasis erworben.

Nun bietet sich für Menden die einzigartige Chance, das bestehende Museumsangebot auszubauen, neue Akzente zu setzen und sich mit der regionalen Kulturlandschaft zu vernetzen: Gut Rödinghausen soll zu einer Außenstelle des Museums werden. Im Mittelpunkt steht dabei eine Dauerausstellung zur Industriegeschichte Mendens und der Region, ergänzt durch einen Wechselausstellungsbereich und historisch möblierte Räume im herrschaftlichen Flügel des Hauses.

Menden blickt auf eine viele hundert Jahre alte Industriekultur zurück - viele spannende Geschichten sind damit verbunden: ein Fall von Industriespionage mit der Entführung eines Drahtziehers von Altena nach Menden erschütterte im Jahr 1721 die heimische Wirtschaftswelt, es wurden einmal Seidenraupen für die Seidenweber in Menden gezüchtet, hier wurde die erste Drahtgeflechtmaschine Europas gebaut, die der Legende nach den längsten Zaun der Welt in Australien hergestellt haben soll, es gab einen handfesten Skandal um die Mendener Opal-Werke und ihren Geschäftsführer Margaritoff, der nach dem Krieg die wollbestrumpften Trümmerfrauen mit Nylonstrümpfen beglückte. Industriekulturell betrachtet waren Mendener Unternehmer, allen voran die Freiherren von Dücker, einmal echte Pioniere. Mit ihren unternehmerischen Visionen, ihrer Tatkraft und ihrer Risikobereitschaft brachten sie die industrielle Entwicklung der gesamten südwestfälischen Region voran.

Gut Rödinghausen Frontansicht

Über ein zusätzliches kulturelles Veranstaltungsprogramm, das sowohl das Herrenhaus als auch den historischen Landschaftspark und eine Museumsrestauration einbezieht, soll aus der Anlage ein Objekt werden, das der Öffentlichkeit zukünftig als kulturgeschichtlicher Erlebnisort zugänglich sein wird.

Erstmals wird mit einer Außenstelle des Museums auf dem Gut ein barrierefreier Zugang zu den Sammlungen des Museums geschaffen. Im Sinne der Inklusion wird der gesamte Museumsbereich so gestaltet, dass der Besuch auch für Menschen mit Einschränkungen jeglicher Art zum Erlebnis wird. Von Anfang an sollen gerade auch diese neu zu generierenden Zielgruppen in die Ideenfindung und -umsetzung einbezogen werden: so wurden die Illustrationen des erarbeiteten Konzeptes für Gut Rödinghausen von der Kreativgruppe Sollingstraße des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte Menden (VKM) entworfen.

Menden kann sich über die kommunalen Grenzen hinaus in einem industriekulturellen Netzwerk als Kulturort etablieren und seine Attraktivität in touristischer Hinsicht steigern. Längerfristig ist darauf aufbauend ein positiver Effekt auf Menden und seine Stadtteile als attraktive Wohnorte mit hoher Lebensqualität zu erwarten. Solange sich unsere Gesellschaft weiter beschleunigt und unübersichtlicher wird, umso attraktiver werden vertraute, unveränderliche „Retro-Inseln“, wie sie als stimmungsvolle Orte im Landschaftspark und im Herrenhaus von Rödinghausen vorzufinden sind. Diese Rückzugsorte gilt es zu bewahren, um die Grundlagen einer stärkeren Identifikation mit der eigenen Geschichte und ein größeres Verständnis für die Entwicklung der eigenen Stadt und Region zu schaffen.

Ein Flyer des Industriemuseums steht hier zum download bereit:

Industriemuseum Gut Rödinghausen
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