Wespen in Menden

Schwarzgelb oder Ich steche!

Schwarzgelb heißt auf Deutsch: Finger, Pfoten, Schnauze weg - Schmerz und Gefahr! Eine Warnfarbgebung, die die Wespen erfanden. Dem tierischen Insektenfresser oder Nestbedroher signalisieren diese leuchtenden Farben, dass die anvisierte Beute schmerzhaft sticht. Mittlerweile machen sich auch andere Gliederfüßler dieses Schmerz versprechende farbliche Alarmsignal zu Nutze, allerdings mangels Stachel nur als leere Drohung - insbesondere einige Schwebfliegen, Glasflügler (eine Schmetterlingsgruppe), einige Bockkäfer und die Wespenspinne.

Der Hornissenschwärmer, ein Schmetterling aus der Gruppe der Glasflügler gibt zugunsten seiner Täuschung, ein stechendes Wespentier zu sein, sogar die schmetterlingstypische Schuppenbedeckung seiner Flügel auf.
Der Hornissenschwärmer, ein Schmetterling aus der Gruppe der Glasflügler gibt zugunsten seiner Täuschung, ein stechendes Wespentier zu sein, sogar die schmetterlingstypische Schuppenbedeckung seiner Flügel auf.
Die völlig harmlose Wespenspinne nutzt die abschreckende Wirkung des schwarzgelben Streifenmusters
Die völlig harmlose Wespenspinne nutzt die abschreckende Wirkung des schwarzgelben Streifenmusters
Erste Hilfe bei Wespenstichen
- auch auf Stiche anderer "Gift" injizierender Tiere anwendbar → Bienen, blutsaugende Insekten, europäische Spinnen und vmtl. Skorpione, Fische mit "Stacheln" (Petermännchen, Skorpionsfische etc.) ← wichtig ist, dass der injizierte Wirkstoff aus Eiweissen/Proteinen besteht -
Proteine zersetzen sich bei Hitze. Wenn der "Gifttropfen" nur relativ dicht unter die Hautoberfläche gelangt, wie es bei den o.g. Tiergruppen i.d.R. der Fall ist (deshalb funktioniert es z.B. nicht bei Schlangenbissen und großen, kräftigen Spinnen- oder Skorpionarten) kann mittels einer kleinen Hitzequelle die Einstichstelle aufgeheizt werden → Feuerzeug (Düsenrahmen oder offene Flamme), erhitzter Metallgegenstand, Tuchzipfel in kochendes Wasser etc. Es muss möglichst schnell nach dem Stich (< 3 Minuten), möglichst heiß und gründlich angewendet werden (d.h. Stichstelle kurz hintereinander mehrfach der Hitze aussetzen - gesamter Behandlungszeitraum 1 - 2 Minuten). Nach Abklingen der lokalen Irritationen in kurzer Zeit sind die Sympthome beendet, und es bildet sich am folgenden Tag auch keine zuerst schmerzende und später juckende Schwellung mehr.
Deutsche Wespe
Deutsche Wespe

In diesem Artikel wird die Gruppe der staatenbildenden Wespen oder Papierwespen näher betrachtet. Sie sind mit den Bienen fern verwandt, füttern aber im Unterschied zu diesen ihre Brut mit fleischlicher Kost - von der Blattlaus oder Stubenfliege bis zum Stück Parmaschinken, wenn sie letzteres von unserem Teller stibitzen können. Im letzteren, gewiss selteneren Fall gehören sie zu unseren Nahrungskonkurrenten - in den häufigeren Fällen stehen sie auf „unserer Seite", indem sie die uns plagenden Geister etwas dezimieren.
Sie bilden Staaten, je nach Art mit unterschiedlich großer Einwohnerzahl. Wie bei den Wildbienen (z.B. Hummeln) überleben nur die Jungköniginnen der Saison den folgenden Winter, um zu Beginn der nächsten Saison einen neuen Staat zu gründen. Sie verlassen spätestens Ende Oktober (oft eher) das Nest, in dem sie aufgewachsen sind, paaren sich mit den zeitgleich ausfliegenden Männchen, suchen sich ein geeignetes Winterquartier und bauen im Frühjahr grundsätzlich an anderer Stelle die ersten Zellen des neuen Nestes. Jede Zelle wird mit einem Ei belegt, und die daraus schlüpfenden ersten Larven werden von der Königin mit Nahrung versorgt. Die sich daraus entwickelnden Arbeiterinnen sind unfruchtbar. Sie übernehmen - ähnlich wie bei der Honigbiene - die Aufgaben des Nestbaus, der Nahrungsbeschaffung für Larven und Königin, der Nestverteidigung und der Temperaturregelung. Letztere wird durch den Einsatz der Flugmuskulatur bewerkstelligt: bei Hitze werden einige Wespen Flügel schlagend zu Ventilatoren und bei Kälte erzeugen die sich rasend schnell kontrahierenden Muskeln sozusagen „im Leerlauf" mit stillgehaltenen Flügeln Wärme.

die Mittlere Wespe hängt ihr Nest, das sehr widerstandsfähig gegen Regen ist, hängend ins Freie: in Büsche, unter Vorsprünge etc.
Nest der Mittleren Wespe hängt immer frei, nie in enge Nischen oder Höhlen geschmiegt

Das Nestbaumaterial besteht aus zerkauten verholzten Pflanzenteilen. Das Nest wird in hauchdünnen Lagen aufgebaut. Das Material wird durch rasche Austrocknung und durch seinen Verbund vieler aneinander stoßender sechseckiger Zellen zu Waben relativ formstabil. Es ist papierartig, daher werden die staatenbildenden, sozialen Wespen auch Papierwespen genannt. Der Nestgrundbauplan ist bei allen Arten gleich. Die Königin formt zunächst einen Stiel an das Trägersubstrat (flächige Decke oder Ast). Daran wird die erste Wabe gesetzt. Bei den "Echten Wespen" wird diese noch von einer schützenden Hülle umgeben, bei den "Feldwespen" bleibt sie frei. Die daraus schlüpfende erste Generation von Arbeiterinnen baut diese Etage je nach Raumangebot noch zu den Seiten aus und setzt zudem einen Stiel für die folgende Wabe an. Nach diesem Prinzip entstehen Nester aus mehreren Waben/Etagen. Die Nistplatzwahl ist artspezifisch. Einige kleben ihre Nester in Gebüsch und beweisen so, dass ihr „Papier" auch Regengüssen trotzen kann. Andere ziehen witterungsgeschützte Höhlungen im Boden, in alten Bäumen oder Gebäuden vor.

Wegwespe (solitär lebend) schleppt als Beute eine gelähmte Spinne ab, um diese, belegt mit einem Ei in einer Brutkammer zu deponieren.
Wegwespe (solitär lebend) schleppt als Beute eine gelähmte Spinne ab, um diese, belegt mit einem Ei in einer Brutkammer zu deponieren.
Oben wurde schon angedeutet, dass Wespe nicht gleich Wespe ist. In Deutschland gibt es rund 600 Wespenarten, die stechen können. Die meisten leben solitär, bilden also keinen Staat, haben mit ihrem Stachel Wichtigeres zu tun als Menschen zu pieksen, sind oft nicht mal schwarzgelb gezeichnet, kleiner und fallen auch aufgrund ihres eher zerstreuten Vorkommens weniger auf.

die Gallische Feldwespe besitzt wie ihre Gattungsverwandten eine sanduhrförmige Wespentaille
die Gallische Feldwespe besitzt wie ihre Gattungsverwandten eine sanduhrförmige Wespentaille

Zu den hier betrachteten staatenbildenden Wespen gehören nur 8 „Echte Wespen"- (Unterfamilie: Vespinae) und 3 „Feldwespen"-Arten (Unterfamilie: Polistinae), von denen in Menden nach meiner Kenntnis 7 Arten der „Echten Wespen" und eine „Feldwespe" vorkommen. 


Beide Wespengruppen sind anhand ihrer Taille zu unterscheiden. Bei den Feldwespen setzt der Hinterleib konisch spitz zulaufend an den Brust-Körperabschnitt an. Ihre Körperlänge von durchschnittlich 15 mm unterscheidet sie von ähnlich schwarzgelb gefärbten aber meist deutlich kleineren Solitärwespen- und Wildbienenarten. Sie lieben Wärme und sind deshalb im Süden Deutschlands sowie Europas häufiger und artenreicher als bei uns. In Menden habe ich bislang nur die „Gallische Feldwespe (Polistes dominulus)" beobachtet. Hier legt diese Art nur Nester in temperaturbegünstigten Hohlraümen an. In südlichen Regionen wird das Nest auch frei in der niedrigen Vegetation angebracht. Die Nester bleiben mit bis zu 150 Zellen relativ klein. Nur durchschnittlich bis zu 30 Arbeiterinnen versorgen Brut und Königin. Die Gallische Feldwespe verhält sich friedfertig. Ein Stich wirkt nur kurz und wenig schmerzhaft. Die Art besucht häufig Doldenblütler. Hier versorgt sie sich mit Kohlenhydraten, dem Brennstoff für ihren Energiebedarf.

Die Waben des Feldwespennestes werden nicht von einer schützenden Hülle umgeben, obwohl sie oft allen Wettereinwirkungen ausgesetzt sind.
Die Waben des Feldwespennestes werden nicht von einer schützenden Hülle umgeben, obwohl sie oft allen Wettereinwirkungen ausgesetzt sind.

Auch die „Echten Wespen" besitzen die für Stechimmen typische Wespentaille in Form einer stielartigen Verbindung zwischen Brust und Hinterteil. Dieses beginnt ab Ansatzstelle im Unterschied zu den Feldwespen vertikal abgeflacht. Aus dem spitz zulaufenden Ende des Hinterteils wird bei Gelegenheit gestochen, manchmal zur Überwältigung kräftigerer Beutetiere oder zur Verteidigung. Selten kursieren noch Aussagen wie „3 Hornissenstiche töten einen Menschen und 7 ein Pferd". Das ist Unsinn. Im Labor wurde an Ratten und Mäusen eine LD50-Rate von 154 Stichen pro kg Körpergewicht ermittelt. Entsprechend wären viele Hundert Stiche nötig, um einen Menschen umzubringen. Bei einigen Menschen bildet sich allerdings schon nach dem ersten Wespenstich eine Allergie aus, die bei später erfolgenden weiteren Stichen zu lebensbedrohlichen Zuständen führen kann (s. z.B. Reaktionen auf Hornissenstich).
Die Bereitschaft zu stechen hängt ab von der Artzugehörigkeit, der jahreszeitlichen, örtlichen und witterungsbedingten Situation. Früh im Jahr sind die Völker sowie die Arbeiterinnen noch kleiner und weniger leicht erregbar. An belebten Orten (z.B. Wegränder) gewöhnen sich die Tiere an die Nähe von Menschen. Wenn im fortgeschrittenen Hochsommer die Völker ihre volle Größe erreicht haben, die gefüllten Brutzellen die volle Aufmerksamkeit der Arbeiterinnen erfordern und wenn dann noch schwüle Hitze herrscht, scheint auch manches Wespenvolk reizbarer zu sein. Bei Bedrohung des Nestes können die „Echten Wespen" ein Alarmpheromon ausscheiden, dass zur Mobilisierung aller Nestinsassen dient.

Hornissennest in der Höhlung eines alten Birnbaums
Hornissennest in der Höhlung eines alten Birnbaums

7 "Echte Wespen“-Arten habe ich bis jetzt in Menden beobachtet. Die größte unter ihnen, die „Hornisse“ (Vespa crabro), fällt buchstäblich aus dem Rahmen. Die Körperlänge der Königin kann bis zu 35 mm erreichen. Ähnlich beeindruckend ist ihr tief brummendes Fluggeräusch im Vergleich zu dem anderer Fluginsekten. Nur bei der Hornisse sind die hellen Zeichnungselemente des Brustabschnitts (Körpermittelteil) braun gefärbt.

Das Nest wird in Hohlräumen angelegt, nicht selten in Baumhöhlungen. Die Volksstärke kann 1.700 Tiere erreichen. Eine Besonderheit der Hornisse liegt in ihrer langen täglichen Aktivitätsperiode von bis zu 22 Stunden. Erfahrenen Arbeiterinnen reichen noch Lichtwerte von 0,03 Lux für die Jagd (Hummeln und Honigbienen sammeln bis 0,1 Lux - aus leuchtenden, duftenden Blütenkelchen). Hornissen überwältigen allein aufgrund ihrer Körpergröße die meisten der Insekten, die langsamer sind als sie. Auch Wespennester werden geplündert und an die Brut verfüttert. Der Kohlehydratbedarf (u.a. Flugtreibstoff) wird mit Baumsäften und Obst gedeckt. Die Hornisse gehört zu den friedfertigen Arten. Behutsam sich bewegende Beobachter duldet sie auch ganz nah am Nest. Die Hauptflugbahn sollte nicht versperrt werden. Dann kann man zusehen, wie alle paar Sekunden Hornisse nach Hornisse abfliegt: gradlinig, unbeirrt, souverän - und wie ihnen im gleichen Rhythmus die Heimkehrerinnen Futter eintragend entgegenkommen, von den Wärterinnen am Nesteingang kurz abgestastet (wir kennen das von den Metalldetektoren und -detektorinnen am Flughafen) und beschnüffelt werden (Staatzugehörigkeit ok?). Etwas ungemütlich kann es dem unfreiwilligen Beobachter werden, der am lauen Sommerabend auf seiner Terrasse sitzt, das typische tiefe Brummen hört, die große, sonst so souverän wirkende Hornissenarbeiterin im Lichtkegel an die bestrahlte Hauswand klatschen sieht, um sodann schlecht koordinierte Kurven und Loopings um Bierflaschen und sich duckende Köpfe zu drehen. Wer weiss, ob SIE sich, abgestürzt in einen Hemdkragen, nicht von irgendwas angegriffen fühlt und sticht? Hornissen werden nachts von manchen Lichtquellen magisch angezogen. Die Hornisse stand in den 90er Jahren noch auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Sie hat sich - auch in Menden - etabliert und ist nicht mehr selten.

 

„Kleine Hornisse" wird die „Mittlere Wespe (Dolichovespula media)" auch genannt und erreicht immerhin eine Körperlänge von bis zu 22 mm. Sie gehört zu den „Langkopfwespen" , d.h., zwischen Augenunterrand und Beißwerkzeug (Mandibel) ist ein kleines Stückchen Wange, quasi ein Rand unter dem Auge ausgebildet - fast so lang wie ein Fühler (Antenne) breit und mit bloßem Auge wegen der wespenaugengleichen Färbung kaum zu erkennen, aber DAS Erkennungsmerkmal für die Gattung Dolichovespula. (Es sei schon einmal vorweggenommen, dass alle hiesigen Langkopfwespenarten sich absolut friedfertig verhalten und angstfrei im menschlichen Territorium geduldet werden können.)
Die „Mittlere" hängt ihre Nester ins Gebüsch, in meinem Garten noch nicht einmal besonders witterungsgeschützt im Randbereich eines Rosenstrauches (Bild s.o.). Der immer unten liegende Nesteingang kann mitunter zu einer Röhre ausgezogen sein. Das fast kugelig geformte Nest wird nie größer als 30 cm (ohne Röhre), es kann bis zu 1.700 Tiere, darunter max. 500 Arbeiterinnen, beherbergen.
Die Mittlere Wespe verhält sich absolut friedfertig und gelassen. Sie kann bedenkenlos aus der Nähe beobachtet werden, z.B. beim Nestbau (bei der Fotodistanz hinderte mich die Rose, nicht die Wespen). Immer, wenn ich im Frühjahr eine Wespenkönigin fange, zur Artbestimmung in eine Petrischale setze und die Dame blickt mich ruhig sitzend aber aufmerksam durch den Glasdeckel an, dann weiß ich schon, es ist eine „Mittlere". Sie interessiert sich nicht für unsere Marmeladenbrote oder unser Mittagessen auf dem Gartentisch, sondern für Blattlaus und Co., ist also eine nützliche Mitbewohnerin in unseren Gärten, die mit Freude begrüßt werden sollte. Leider wird ausgerechnet ihr Nest oder das ihrer wohl ebenso harmlosen Gattungsverwandten - weil so offen sichtbar - am ehesten zerstört (dabei nisten die eigentlichen schwarzgelben „Plagegeister" nur versteckt - s.u.). Die Mittlere Wespe steht auf der Roten Liste. Ihr Arterkennungsmerkmal ist die ganzflächig gelb gefärbte Bucht in den nierenförmigen Augen in Kombination mit der langen Wange.
Wie alle anderen Langkopfwespen hat auch die „Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica)" nur einen schmalen gelben Streifen am Unterrand der Augenbucht. Sie ist an den zusätzlichen Merkmalen eines kleinen gelben Wangenflecks und einer ankerförmigen schwarzen Zeichnung auf dem gelben, unten zwischen den Augen liegenden Schild zu erkennen. Ihre frei in Gebüschen oder Gebäuden hängenden, bis 25 cm messenden, leicht asymmetrisch erdbeerfömigen Nester, beherbergen maximal 1000 Tiere, davon bis zu 300 Arbeiterinnen. Sie verhält sich friedfertig und interressiert sich nicht für Süßspeisen.

Waldwespenportrait
Waldwespe - die antennenbreite Wange der Langkopfwespe ist gut zu erkennen

Im Unterschied zur vorigen Art zeigt die „Waldwespe (Dolichovespula sylvestris)" keinerlei Zeichnung auf dem gelben Augenzwischenschild (Stirn). Sie legt ihr Nest an ähnlichen Orten wie die „Sächsische" an, desweiteren aber auch in Erdhöhlen. Friedfertig und ohne Interesse an unseren Speisen.

Die Rote Wespe hat ihre ersten beiden Hinterleibssegmente rotbraun gefärbt.
Die Rote Wespe hat ihre ersten beiden Hinterleibssegmente rotbraun gefärbt.

Bei den „Kurzkopfwespen" (Gattung „Vespula") endet die Kopfkapsel nahezu direkt unter den Augen. Von Ihnen gibt es drei Arten in Menden, unter denen die „Rote Wespe (Vespula rufa)" in Verhalten und Aussehen deutlich aus dem Rahmen fällt. Die ersten beiden Hinterleibsringe weisen im Rückenbereich ein deutliche, rötlichbraune Färbung auf.
Die Rote Wespe legt ihre maximal nur 20 cm messenden Nester fast ausschließlich in unterirdischen Hohlräumen an. Die Volksstärke kann etwa 700 Tiere, davon 350 Arbeiterinnen, erreichen. Sie verhält sich sehr friedfertig und frisst nicht an Lebensmitteln. Die Rote Wespe tritt in Menden zerstreut auf.

Wespenmännchen - hier eins der Gemeinen Wespe an Roséwein - besitzen keinen Wehrstachel. Sie sind anhand ihres aus sieben frei sichtbaren Segmenten bestehenden, langgestreckten Hinterleibs sowie den längeren 13-fach segmentierten Fühlern von den Weibchen (6 sichtbare Hinterleibssegmente, 12 Fühlersegmente) recht gut zu unterscheiden.
Wespenmännchen - hier eins der Gemeinen Wespe an Roséwein - besitzen keinen Wehrstachel. Sie sind anhand ihres aus sieben frei sichtbaren Segmenten bestehenden, langgestreckten Hinterleibs sowie den längeren 13-fach segmentierten Fühlern von den Weibchen (6 sichtbare Hinterleibssegmente, 12 Fühlersegmente) mit aufmerksamem Blick recht gut zu unterscheiden.

Im Gegensatz zu den vorgenannten kann die „Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)" zur Nervensäge werden. Sie besitzt eine ankerförmige schwarze Zeichnung auf dem gelben Augenzwischenschild und einen rein schwarzgelb geringelten Hinterleib. Sie legt ihre Nester in aller Art von Hohlräumen unter- und oberhalb der Erdoberfläche, oft in Gebäuden an. Die z.T. immensen Nester können über 12.000 Individuen, davon 10.000 Arbeiterinnen, beherbergen.
Leider hat ausgerechnet diese, unsere häufigste Wespenart zur Deckung ihres Kohlenhydratbedarfs die gleichen Vorlieben wie wir entwickelt: Kuchen, Marmelade, Obst etc. Und so wird sie auf dem Hochstand ihrer alljährlichen Volksentwicklung oft zur quirligen Plage - z.B. in Bäckereien, wenn die Verkäuferin grade nicht daran denkt, dass das Kitzeln an ihrem Hals von einer krabbelnden Wespe herrührt. Aus Sicht der Wespe ist die kratzende Hand lebensbedrohlich und sie wehrt sich, so gut sie kann. Auch, was in unserem Essen tierische Eiweiße enthält, weckt ihr Interesse. Oft lustig zu beobachten, wenn die Wespe mit dem von ihr herausgesäbelten Stück Salami ihr zulässiges Gesamtgewicht überschreitet und nach übermütigem Absprung von der Tischkante erstmal abschmiert... Werden diese Tischgenossen aber ihrer zu viele, so hört die Situation für manche von uns auf, lustig zu sein, da zu unübersichtlich. Dazu trägt auch der für diese Art typische „Schaukelflugstil" bei.
Die Gemeine Wespe ist in Nestnähe leichter erregbar und angriffslustiger als alle anderen Wespenarten. Die Bereitschaft anzugreifen, hängt von verschiedenen, nicht nur bekannten Faktoren ab: Behutsamkeit des Gegenübers und Gewöhnung an nahende Menschen spielen eine wichtige Rolle. Aber in letzter Zeit mehren sich Berichte, dass einzelne Tiere auch fern vom Nest Menschen geradewegs anfliegen und zustechen. Erklärungen dafür kenne und habe ich nicht.
Die einzige Abwehrmaßnahme besteht in einer Umsiedlung des Volkes - je frühzeitiger, desto besser, am besten zur Zeit der Nestgründung durch die Königin: Königin mit Netz fangen, Art bestimmen, ists eine „Gemeine Wespe" wird sie nach weitweg evakuiert (> 3 km). Ansonsten gibt es nur den Trost: nach den ersten kalten Nächten im September ist der Spuk vorbei. Immerhin haben die Wespen bis dahin auch unter den für uns „Lästigen" (Blattläuse, Stechfliegen etc.) ordentlich aufgeräumt. Dasselbe Nest beziehen sie jedenfalls nie wieder.
Zur adäquaten Abschätzung evtl. erwartbarer Unannehmlichkeiten ist eine Beschäftigung mit der Wespenbestimmung unabdingbar - soweit die uns durchaus nützlichen Eigenschaften der Wespen akzeptiert werden. Benötigt werden:

  • ein sogenanntes Schmetterlingsnetz oder Kescher (leicht selbst zu bauen aus stabilem Draht + Gardinenstoff, sonst preiwert im Internet),
  • ein nicht bildverzerrendes Glasbehältnis (Lupenglas oder Petrischale),
  • eine Lupe (m.E. ideal eine oder besser zwei 3,5-Dioptrien-Lesebrillen aus dem Billigladen, sie können bei Bedarf hintereinander auf der Nase plaziert werden, liefern zusammen ein räumliches Bild in 7-facher Vergrößerung und lassen beide Hände frei) und
  • eine Bestimmungshilfe, z.B.: diese oder jene.

 

Die Deutsche Wespe trägt auf dem gelben Zwischenaugenschild eine Zeichnung aus drei oder einem Punkt.

Sie legt ihr Nest in dunklen Hohlräumen an, z.B. wie hier in einem aufgeweiteten Mäusegang. Nesträuber versuchen an die nahrhafte Brut heranzukommen (Wespenbussard, Ratte, Dachs). Einige Arbeiterinnen wachen am Nesteingang, den Rest des Volks zur Verteidigung zu alarmieren.

Die „Deutsche Wespe (Vespula germanica)" ähnelt der Gemeinen Wespe in Nistplatzwahl und Volksstärke sowie in den Ernährungsgewohnheiten. Sie ist aber weniger angriffslustig. Äußerlich unterscheidet sie sich von der „Gemeinen" durch die Zeichnung auf dem Zwischenaugenschild, statt eines Ankers trägt es drei oder zumindest einen schwarzen Punkt, sowie durch die Rückenzeichnung auf dem Hinterleib -> eine schwarze Raute mittig auf dem ersten gelben Hinterleibsstreifen. Auch diese Wespe ist in Menden recht häufig.

Königin der "Falschen Kuckuckswespe", sie ist gut anhand der starken Behaarung und des ahornblattförmigen schwarzen Flecks auf der gelben Stirn zu erkennen
Königin der "Falschen Kuckuckswespe", sie ist gut anhand der starken Behaarung und des ahornblattförmigen schwarzen Flecks auf der gelben Stirn zu erkennen

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass Waldwespe, Sächsische Wespe und Rote Wespe selten von je einer auf sie spezialisierten sozialparasitischen Art heimgesucht werden. Deren Königin vertreibt oder tötet die Königin der sozialen Art, belegt fortan die Zellen mit ihren Eiern und veranlasst die verbliebenen und noch schlüpfenden Arbeiterinnen, die eigene Brut - bestehend nur aus Jungköniginnen und Männchen - zu versorgen. Mangels Zeugung eigener Arbeiterinnen wird ein parasitierter Staat weder groß, noch alt.

Bislang habe ich von den sozialparasitischen Faltenwespen in Menden nur die "Falsche Kuckuckswespe (Dolichovespula adulterina)" entdeckt. Sie nistet sich bei der Sächsischen Wespe ein. Gegenüber Menschen verhält sie sich völlig friedfertig, ihr Stich soll wenig schmerzhaft sein.

Im Mendener Rathaus, im Bereich der Umweltabteilung gibt es eine kleine Ausstellung der o.g. Wespenarten und einiger ihrer Nester.