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Stadtgeschichte

Stadtgründung und Befestigung

Seit der Unterwerfung Heinrichs des Löwen 1180 stand Menden unter der Herrschaft der Kölner Erzbischöfe. Es wurde das schwere Schicksal Mendens, nahe an der Grenze des Märkischen und des Arnsbergischen Gebietes gelegen, ständigen feindlichen Angriffen ausgesetzt zu sein. Über Generationen hinweg setzten die Märker, deren ritterlicher Stammsitz die Burg Altena war, den Mendenern in kriegerischen Auseinandersetzungen zu. Die bis dahin unbefestigte Ortschaft wurde für die Kölner Erzbischöfe militärisch und strategisch sehr bedeutsam.

Im Jahre 1276 wird Menden erstmals in einer Urkunde als oppidum - Stadt bezeichnet. Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg hatte die strategische Bedeutung des Ortes erkannt. Damit Menden zu einer Grenzfeste ausgebaut und verteidigt werden konnte, bedurfte es der Erhebung zur Stadt. Ein weiterer schwerer Übergriff der Märker und der Arnsberger im Jahr 1344 hatte zur Folge, dass Erzbischof Walram von Jülich die Stadt mit einer starken Befestigungsanlage versah. Noch heute läßt sich in der Stadtstruktur der Verlauf der ehemaligen Wehrmauer mit Wassergraben, Erdwällen, Wehrtürmen und Stadttoren erkennen. Zwölf riesige Kolosse aus massivem Bruchstein, ausgestattet mit Schießscharten, gaben den verängstigten Mendener das Gefühl von Schutz und Geborgenheit.

Ritter Goswin und die Rodenburg

In den Jahren 1246-48 ließ Ritter Goswin I. auf eigene Kosten die Burg Rodenberg errichten. Er war Schulte der erzbischöflichen Güter von Menden. 1272 erwarb Goswin zudem vom Grafen von Arnsberg die Vogtei über den Mendener Hof und die Kirche. Damit hatte er den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Nun stellte er allerdings eine ernstzunehmende politische und militärische Gewalt innerhalb des Kölner Herrschaftsgebietes dar. Diese Gefahr erkannte auch Erzbischof Siegfried von Westerburg. Goswin wurde zum Opfer kurkölnischer Machtpolitik. Am 16.2. 1276 nötigte Siegfried Goswin, eine Sühneurkunde zu unterzeichnen, der zufolge dieser die Burg Rodenberg, die dazugehörigen Liegenschaften und die Vogtei Menden an ihn übergeben musste - das jähe Ende einer großen Karriere.

Die St.Vincenz-Kirche

Vor mehr als 1200 Jahren wurde die Urpfarre St. Vincenz gegründet. Dem frühen romanischen Bau folgte ab 1344 der Bau einer gotischen Hallenkirche mit einem mächtigen Westturm. Hier fanden die Gläubigen bei Angriffen Schutz, hier boten Schießscharten die Möglichkeit der Verteidigung. Vor allem aber spiegelte das Bauwerk in seiner Pracht und Schönheit mit seinen kostbaren farbigen Glasfenstern und dem himmelwärts strebenden Gewölbe das Himmlische Jerusalem. Der lichte, reich durchfensterte Chor im Osten weist den Weg ins Paradies. Christus zeigt sich als Tor zum ewigen Leben und als Sonne der Gerechtigkeit. Seitdem wird das Leben in dieser Stadt nicht wenig geprägt durch mächtige und prächtige Kirchbauten, durch überzeugende und wortgewaltige Kirchenmänner und Kirchenfrauen, durch eine zumindest teilweise bis heute erhaltene tiefe Volksfrömmigkeit.

Die Hexenverfolgung

Eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte dieser Stadt ist das 17. Jahrhundert. Menden gerät in den Bann der Hexenverfolgung. 47 noch erhaltene Hexenprotokolle aus den Jahren 1628-31 schildern detailliert den Wahnsinn jener Zeit und das unbeschreibliche Leiden der unschuldig Angeklagten. Mit dem heute noch erhaltenen Mendener Richtschwert wurden die Verurteilten aus Gnade zunächst hingerichtet und dann verbrannt. Die gesamte Rechtsprechung bediente sich damals unwürdiger und grausamer Methoden. Das Brandgeld für die Folter und die Hinrichtung hatten die Verurteilten bzw. deren Angehörige selbst zu zahlen. Nach wenigen Jahren hat der Hexenwahn in der kleinen Stadt Menden mindestens 119 Menschen das Leben gekostet.

Die Kreuzkapelle

Drei Mal hintereinander legen schwere Feuersbrünste Menden in Schutt und Asche. Nur zehn Häuser bleiben von dem letzten schrecklichen Feuer im Jahr 1663 verschont. Mit unendlicher Mühe und Entsagung bauen die Mendener zum dritten Mal ihre Stadt wieder auf. Wie dunkle Schatten sind die Erinnerungen an die letzte schwere Pestwelle lebendig, da sucht 1669 die nächste schlimme Seuche die Stadt heim, die Rote Ruhr. Die Ängste aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges flammen wieder auf, als 1673 im 2. Französischen Raubkrieg brandenburgische Regimenter in Menden Schrecken verbreiten. Die Not scheint kein Ende nehmen zu wollen.

Als im Jahre 1685 die Erlaubnis kam, im Rodenberg eine Kapelle zu bauen, trug der Richter und Bürgermeister Wennemar Schmittmann zusammen mit seinem Gerichtsschreiber Johannes Heinrich Wulff ein großes Holzkreuz den Berg hinauf zu der Stelle, an der die Kapelle errichtet werden sollte. 1687 ging zum ersten Mal eine Prozession den Berg hinauf. Daraus entwickelte sich die noch heute alljährlich durchgeführte Karfreitagsprozession.

Am 18.4.1685 wurde dem Magistrat zu Menden die Erlaubnis erteilt, auf dem sogenannten Kalvarienberg in der Nähe der Stadt zu Ehren der schmerzhaften Jungfrau Maria und unter dem Schutz des Hl. Antonius von Padua eine Kapelle zu erbauen. Daraufhin brachten der Richter und Bürgermeister Winnimar Schmittmann sowie der Gerichtsschreiber und Prokonsul J.H. Wulff auf ihren Schultern das Kreuz aus der Stadt und stellten es mitten auf den Platz, auf dem die erste Kapelle erbaut ist.

Industrialisierung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Industrialisierung mit Macht nach Menden, die Eisenbahn mit Dampf etwas später. Metallverarbeitende Industrie siedelte sich am idyllischen Hönnestrand an und drückte dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben ihren Stempel auf. Eine bodenständige Arbeiterschaft und weitsichtige Unternehmer sorgten für Fortschritt und Auskommen. Vielen Handwerksberufen, seit Jahrhunderten in dieser Stadt beheimatet, drohte das Aussterben.

Rathausbau von 1912

Das stete Anwachsen der Bevölkerung durch die fortschreitende Industrialisierung machte den Bau eines neuen Rathauses erforderlich, das im Jahr 1912 unter Bürgermeister Ernst Overhues eingeweiht wurde. Ein Laubengang aus Rundbogenarkaden und ein mächtiger Mittelturm prägen das Bauwerk bis heute - traditionelle Bauelemente, die schon an mittelalterlichen Rathäusern vorkommen. Jugendstilelemente formen den inneren Treppenaufgang und den alten Ratssaal - in dem für viele bewegte Jahrzehnte die Geschicke der Stadt beschlossen wurden.

Judenverfolgung

Als im Jahr 1933 die Nationalsozilisten an die Macht kommen, leben noch 69 jüdische Mitbürger in Menden. Seit vielen Jahrzehnten findet jüdisches Gemeindeleben in der Synagoge in der Hochstraße statt. In der Pogromnacht 1938 wird die Synagoge geschändet und in Brand gesetzt. Wer nicht rechtzeitig flieht oder eine Ausreisebewilligung erhält, für den gibt es keine Hoffnung. 32 jüdische Mendener Mitbürger im Alter zwischen 4 und 79 Jahren werden von den Nazis ermordet. Bis heute ist die Synagogengemeinde ausgelöscht.

Menden - Stadt am Wasser

Das Wasser der Hönne bestimmte das Leben in der Stadt Menden seit alters her. Es speiste die Gräben der Befestigungsanlage rund um die mittelalterliche Stadt. Es bewegte die Räder der Mühlen, es wurde von den Frauen zum Waschen der Wäsche, von den Brauern zum Brauen des Bieres und von den Gerbern zum Auswaschen des gegerbten Leders genutzt. Es lieferte den Fisch und bisweilen das Trinkwasser. Es sorgte für die Ansiedlung der metallverarbeitenden Industriebetriebe. Es macht Menden zur idyllischen Stadt an einem kleinen verträumten Fluss mit Trauerweiden, Schwänen und Enten.

Menden - Stadt der Märkte und des Handels

Menden war seit dem Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert eine ausgeprägte Marktstadt von zum Teil überregionaler Bedeutung. Auf dem Wochenmarkt verkauften die Kaufleute und Handwerker der Stadt und die Bauern der Umgebung ihre Waren. Aus den Marktordnungen geht anschaulich hervor, wie lebhaft, laut und bunt es auf den Märkten zuging: Leinen und Tuch, Schweine, Ziegen und Hühner, Bettfedern, Stroh, Getreide, Gewürze, Gemüse, Fleisch, Fisch, Obst – die ersten Bananen und Orangen waren eine Sensation.