Der Turm

Der Poenigeturm ist einer von ehemals 12 Wehrtürmen, die in die Stadtmauer integriert waren. Zusammen mit den drei hohen Stadttoren und dem Turm der Vinzenzkirche vermittelte das spätmittelalterliche Menden so schon von Weitem einen starken und wehrhaften Eindruck. Dies sollte zugleich den Feinden Respekt einflößen und den eigenen Bürgern ein Gefühl der Sicherheit geben, denn als Grenzposten Kurkölns war die Stadt von drei Seiten von der feindlichen Grafschaft Mark umgeben.
Als die Türme in der frühen Neuzeit an Bedeutung für die Verteidigung der Stadt verloren hatten, wurden sie in eine andere Nutzung überführt. Der Poenigeturm wurde zum Gefängnis für Straftäter aus dem Amt Menden, also aus den umliegenden Dörfern. In dieser Zeit prägte sich vermutlich auch sein Name, denn Poenigeturm leitet sich vom lateinischen Wort "poena" ab, das Strafe bedeutet. In der Zeit der Hexenverfolgung wurden hier viele Opfer unter grausamen Bedingungen festgesetzt und mussten angekettet auf ihre Prozesse warten.

Die Ausstellung

Die Hexenverfolgung erreichte in Menden in den Jahren 1628 bis 1631 einen zwar recht kurzen, aber sehr heftigen Höhepunkt. Über hundert denunzierte Bürger mussten in dieser Zeit ihr Leben lassen. Von 47 Prozessen sind noch Protokolle erhalten, die von grausamen Folterungen berichten.

Die beiden Künstlerinnen Ulla Brockfeld und Dagmar Müller haben sich intensiv mit diesen Protokollen und dem europaweiten Phänomen der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit auseinandergesetzt. Aus Ton und Glas fertigten sie 47 schwarze Schreine, die mit edlen Materialien in symbolischen Farben und Objekten mit lokalem Bezug gefüllt sind. Die Künstlerinnen setzen sich auf diese Weise mit dem Geschehen der damaligen Zeit auseinander und erinnern an die Opfer.