Mendens Industriegeschichte

Menden blickt auf eine viele hundert Jahre alte Industriekultur zurück. Die industrielle Geschichte hat die Stadt und ihre Bewohner nachhaltig geprägt. Viele spannende Geschichten sind damit verbunden:

  • Ein Fall von Industriespionage mit der Entführung eines Drahtziehers von Altena nach Rödinghausen erschütterte im Jahr 1720 die heimische Wirtschaftswelt,
  • es wurden einmal Seidenraupen für die Seidenweber in Menden gezüchtet,
  • in Menden wurde die erste Drahtgeflechtmaschine Europas gebaut, die der Legende nach den längsten Zaun der Welt in Australien hergestellt haben soll,
  • es gab einen handfesten Skandal um die Mendener Opal-Werke und ihren Geschäftsführer Margaritoff, der nach dem Krieg die wollbestrumpften Trümmerfrauen mit hauchzarten Nylons beglückte.

Industriekulturell betrachtet waren Mendener Unternehmer einmal echte Pioniere und Menden galt als Schrittmacher für die industrielle Entwicklung der Region. Über viele Jahrzehnte war Menden ein bedeutendes Zentrum der metallverarbeitenden Industrie. Die Wurzeln der Eisenverarbeitung im heimischen Raum reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Gleichzeitig prägen bedeutende Unternehmen noch heute das Leben in Menden. Eine Reihe von Firmen blickt selbst auf eine zum Teil über hundertjährige Geschichte zurück. Dennoch sind sie als mittelständische Global Player stets innovativ genug gewesen, den ständigen Herausforderungen einer sich immer schneller wandelnden Gesellschaft zu begegnen.

"… die Strecke von Rödinghausen durch das romantische Hönnetal bis zur Ausmündung der Hönne in die Ruhr, vereinigt alles, was zur Ansiedlung in Verbindung mit Fabrikanlagen nur gewünscht werden mag. Leider aber steckt finsterer, stets rechnender Krämersinn den Eingesessenen hemmend im Wege. Desto freudiger dagegen blühen die dort vom Neuwalzwerk, Hönnewerth und Menden, welche nebst den Anlagen zu Rödinghausen wahrhaftig großartig zu nennen und einer bedeutenden Erweiterung fähig sind."
Peter Eberhard Müllensiefen, Iserlohner Nadelfabrikant, 1836

Wasser auf die Mühlen

Aufgrund seiner Lage nah am feindlichen märkischen Gebiet wurde Menden im Mittelalter zur kurkölnischen Grenzfeste ausgebaut. Die Pflicht zur Ausrüstung der Stadt drängte schon früh einzelne Gewerbezweige dazu, ihre handwerklichen Leistungen durch die Ausnutzung der Wasserkraft von Hönne und Oese zu erhöhen. Im Jahr 1613 gab es allein im Stadtgebiet von Menden 6 Mühlenanlagen: die Mahlmühle, die Ölmühle, die Sägemühle, die Pulvermühle, die Mühle zum Schmiedehammer und die Walkenmühle.

Wasserkraft als Antriebsenergie

Im weiteren geschichtlichen Verlauf erwies sich die Wasserkraft der Hönne mit ihrer Fließgeschwindigkeit und dem starken Gefälle als entscheidend für die Ansiedlung bedeutender Industriebetriebe der Metallverarbeitung aus dem märkischen Gebiet. Außer der bedeutend größeren Wassermenge besaß die Hönne gegenüber den Iserlohner Wasserläufen den Vorzug, von den Naturereignissen wie Dürre, Trockenheit und Frost unabhängiger zu sein. Bereits die Nadelfabrikation nutzte mit einer Schleif- und Schauermühle zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Antriebskraft der Hönne. In der Aufschwungsspanne von 1850 bis 1872 ist die Entwicklung der Mendener Messingwerke gekennzeichnet durch eine Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit unter weiterer Ausnutzung der heimischen Wasserkraft.

Frühe Eisengewinnung und -verarbeitung

Seit vielen Jahrhunderten war die benachbarte Grafschaft Mark eine klassische Stätte der Eisengewinnung und -verarbeitung. Frühe eisenzeitliche, später auch mittelalterliche Funde aus dem Bereich des Hönnetals und aus Menden belegen die Verarbeitung von Metallen auch im heimischen Raum. Die geologische Voraussetzung für das Aufkommen der heimischen Eisenindustrie bildete der Massenkalkzug von Hagen über Iserlohn Richtung Deilinghofen, der bei Oberrödinghausen in den Mendener Raum vorstößt. 1751 wird die "Rödinghauser Eisenfabrique" des Max Theodor von Dücker mit Bergwerken, einem Hochofen und zwei Frischfeuern mit den dazugehörigen Hammerwerken erwähnt. Die Herren von Dücker hatten auch Anteile an märkischen Erzbergwerken.

Ein Fall von Industriespionage: die Entführung des Drahtziehers Bomnüter

1721 ließ Bernhard Adolf von Dücker in Rödinghausen einen Drahtzug einrichten. Zur Erlangung der notwendigen Fachkenntnisse hatte er den Drahtzieher Bomnüter aus Altena entführen lassen. Alle Versuche der Altenaer, den Drahtzieher unter Zusicherung von Straffreiheit zurückzugewinnen, scheiterten. Um zu verhindern, dass die märkischen Kenntnisse des Drahtziehens in den kurkölnischen Raum gelangten, ließ der Magistrat zu Altena in einem Überfall die Drahtrolle zerstören, den Drahtzieher in ihre Stadt zurückbringen und in den Kerker unter der Burg sperren, wo er ein Jahr später verstarb.

Nadelindustrie

Das Nadel- und Textilgewerbe in Menden verdankte seine Entstehung rheinischen und märkischen Einflüssen. Iserlohner Kaufleute veranlassten Ende des 17. Jahrhunderts, dass der von Köln nach Iserlohn eingewanderte Nadler Johann Heinrich Törnig mit drei Brüdern nach Menden zog und eine Nadelfabrikation einrichtete. Die Gebrüder Törnig legten an der Hönne eine Schleif- und Schauermühle zum Polieren der in Heimarbeit gefertigten Nähnadeln an. Damit begann das bis dahin nur handwerkliche Gewerbe des Raumes industrielle Formen anzunehmen. Die betriebliche Form der Mendener Nadelfabrikation war der Verlag. Der fertig geschnittene Draht wurde von Iserlohn und Altena bezogen, die versandfertigen Nadeln gingen an die Handelshäuser in Iserlohn und Altena zurück.

Aus Leinen, Samt und Seide: Das Textilgewerbe

Das seit 1790 aufblühende Textilgewerbe bot einen Ersatz für den Rückgang der Nadelindustrie und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Mendener Wirtschaftszweige. Die Tuchfabrik des Franz Wilhelm Lillotte war aus dem alten Städtischen Wüllner- bzw. Tuchmacherhandwerk hervorgegangen. Sein Sohn Engelbert baute das kleine Unternehmen zu einem weit verzweigten Verlag aus. Nicht allein Meister der Stadt, sondern auch Tuchmacher der Umgebung waren für ihn tätig. Die zweite Leistungsrichtung des heimischen Textilgewerbes war die Seidenmanufaktur, die in den Jahren 1789/90 von Iserlohn durch Adolph Friedrich Basse auch nach Menden verlegt wurde. Die Erzeugnisse, Seidengewebe, Seiden- und Samtbänder, wurden in Heimarbeit hergestellt. Die benötigte Rohseide bezogen Iserlohner Kaufleute aus Italien. 1801 waren in Menden 45 Webstühle und 80 Arbeiter beschäftigt. Vielfach nähten die Mendener Seidenweber gleichzeitig Westen aus Seide. Mit Unterstützung der preußischen Regierung wurde in Sümmern eine Maulbeerbaumpflanzung mit 800 Bäumen und eine entsprechende Seidenraupenzucht angelegt.

Über alle herrschaftlichen Grenzen hinweg schloss sich die südwestfälische Region zu einem Wirtschaftsraum mit genau aufeinander abgestimmter Arbeitsteiligkeit zusammen. Auch die ehemals kurkölnische Grenzfeste Menden stellte innerhalb dieses Systems der wirtschaftlichen Vernetzung einen Knotenpunkt dar und war in die vielfältigen Verflechtungen eingebunden. Schon im 18. Jahrhundert zwangen die wirtschaftlichen Gegebenheiten zu vielfältigen Zusammenschlüssen in Form von Verlagssystemen und dem wechselseitigen Austausch von Rohstoffen, Halbzeugen und Fertigprodukten.


Mit Industriepionieren wie Theodor von Dücker und Carl Schmöle, mit der Einrichtung einer der ersten unterschlächtigen Blechwalzen Westfalens und der Einführung des Puddlingsverfahrens erwies sich Menden industriegeschichtlich als Schrittmacher für die Entwicklung Südwestfalens. Firmen wie das Neuwalzwerk waren zeitweilig Markt führend in der Erzeugung von Drahtgeweben und -geflechten.

Adel verpflichtet - Der Industriepionier Theodor von Dücker

Die von Dückers verfügten über Grundbesitz mit umfangreichen Waldungen und über einen ausgeprägten Unternehmergeist. Theodor von Dücker erwies sich mit dem Betrieb von Hammerwerken sowie den neuartigen Anlagen einer unterschlächtigen Blechwalze und eines Puddlingsofens als wahrer Industriepionier, der die von Harkort eingeführten Verfahren als einer der ersten aufgriff, in die heimische Region verpflanzte und so als Schrittmacher für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der südwestfälischen Region angesehen werden muss. Von Dücker betrieb außerdem die ihm gehörigen Eisenerzbergwerke, legte Versuchszechen an und sicherte sich durch die Belieferung mit eigenen Erzen einen Teil des auf der Rödinghauser Hütte erblasenen Roheisens.

Die Rödinghauser Eisenindustrie

Mit der bahnbrechenden Einführung des Walzprinzips und des Puddlingsverfahrens auf Rödinghausen durch Theodor von Dücker trat an die Stelle des bisherigen, auf eigener Rohstoffbasis aufgebauten Eisengewerbes mit seiner geringen handwerklichen Erzeugung eine auf Massenleistung gerichtete industrielle Produktion. Das neue Walzwerk ging auf Stabeisen. Das Einsatzmaterial wurde im Puddelwerk zu Amboßluppen und Luppeneisen weiterverarbeitet, die als Stab-, Rund-, Band- und Schmiedeeisen in den Handel kamen. Hauptsächlich wurde gewalztes Stabeisen für die märkische Kleineisenindustrie geliefert. Die Konkurrenz durch das nahe Ruhrgebiet mit dem Einsatz neuer technischer Verfahren führte dazu, dass der Betrieb auf Rödinghausen 1884 stillgelegt wurde. 1890 wurden die stillgelegten Anlagen als "Eisengießerei Rödinghausen" unter neuer Leitung wieder in Betrieb genommen. Das Bessemerverfahren wurde eingeführt und in den Bessemer Birnen Stahl gegossen. In zwei Kupolöfen wurde Graugusseisen erschmolzen und die Herstellung ging zunächst auf Gussteile für Petroleumleuchten. Bald stellte das Werk eigene Petroleumlampen her und die Produktionspalette wurde durch Hausratgegenstände, Baubeschläge und Halbfabrikate für die aufblühende Elektroindustrie erweitert. Als Eisenwerk Rödinghausen entwickelte das Werk nach dem 2. Weltkrieg ein Programm für Schwerarmaturen. 1998 stellte das Unternehmen seinen Betrieb endgültig ein. Über viele Jahrzehnte gehörte die Herstellung von Christbaumständern zu den wichtigsten Produkten der Eisengießerei. Die Kriegspropaganda nutzte das Weihnachtsfest und speziell den Weihnachtsbaum, um bei den Soldaten an der Front und in den Familien daheim nostalgische und patriotische Heimatgefühle zu intensivieren.

Ein Unternehmer schreibt Geschichte: Carl Schmöle

Carl Schmöle (1782 – 1863) betrieb gemeinsam mit seinem Vater eine Ketten- und Schnallenschmiederei in Iserlohn. Er beschloss, zusammen mit seinem Stiefbruder Wilhelm Romberg eiserne Geschirr- und Wagenbeschlagteile selbst herzustellen. Die Notwendigkeit, mit Anwendung stärkerer Antriebsenergien zu größeren Leistungen zu kommen, führte 1834 zum Bau des Walzwerkes und Drahtzuges in Hönnenwerth bei Menden. Die Befreiungskriege brachten neue Aufträge zur Fertigung von Reitgeschirren und militärischen Zubehör wie Beschlagteilen für Helme und andere Rüstungsgegenstände. Dadurch erfuhr das Unternehmen einen ungeheuren Aufschwung. 1853 schrieb Carl Schmöle sein berühmtes Werk "Notizen über die Entstehung der Fabricken in Iserlohn und dessen Umgebung", welches das Mendener Museum als Original-Handschrift besitzt. Schmöle gehörte zu jenen Unternehmern, die Menden von Iserlohn aus industriell kolonialisiert haben. Sein patriarchalisches Verhältnis zu den Arbeitern war, bedingt durch sein religiöses Selbstverständnis, von hohem sozialem und gesellschaftlichem Engagement geprägt. Mit Carl Schmöle erreichte in Menden die Ära der metallverarbeitenden Industrie einen ersten Höhepunkt.

R. & G. Schmöle und Schmöle & Company

1853 erfolgte die Auflösung des alten "Fabrik- und Handlungsgeschäftes" Schmöle & Romberg in Iserlohn. Das Unternehmen in Menden, das den beiden Söhnen Carl Schmöles, Rudolf und Gustav, durch das Los zufiel, erhielt die Firmenbezeichnung R. & G. Schmöle. Auch 1887 brachte die Reorganisation des deutschen Heeres neue große Aufträge. Noch vor der Jahrhundertwende wurden die ersten Schraubenmaschinen aufgestellt. Erschmolzenes Metall wurde in verschiedenste gegossene und gedrückte Messingartikel verwandelt. 1904 errichtete Schmöle eine Strangpresse für nahtlose Messing- und Kupferrohre. Von Menden eroberte dieses die Rohrfertigung wesentlich vereinfachende Verfahren die Welt. In den folgenden Jahren wird das firmeneigene Laboratorium zur "Brutstätte systematisch-fortschrittlicher Halbzeugentwicklung". Nach dem Krieg bildeten Walzwerk, Rohrwerk und Fertigwarenerzeugung die unternehmerischen Schwerpunkte. 2002 stellte die Firma R. & G. Schmöle ihren Betrieb ein. Damit ging in Menden eine industriegeschichtliche Ära zu Ende. Zwischenzeitlich war es 1854 zur Gründung eines Spezialwerkes für Reit- und Fahrgeschirr-Beschläge unter der eigenen Firma Schmöle, Wiemann & Co gekommen. Das neue Werk übernahm das gesamte Produktionsprogramm der alten Firma Schmöle & Romberg, verarbeitete aber vorwiegend Eisen und Stahl, während das Messing- und Walzwerk R. & G. Schmöle die erforderlichen Beschlagteile aus Messing, Tombak und Neusilber herstellte. Ab1887 trug die Firma Schmöle, Wiemann und Co. die Bezeichnung Schmöle & Company. 1965 erwarb die Firma Grohe das Unternehmen Schmöle & Company. Generationen von Mendenern erhielten Ausbildung und Arbeit bei den Unternehmen der Familien Schmöle.

Das Neuwalzwerk und die Drahtgeflechtmaschine

1827 wurde von dem Iserlohner Handelshaus Kissing & Möllmann das Neuwalzwerk Bösperde errichtet. Der zuerst aufgenommene Hauptfabrikationszweig war das Walzen von Eisendraht. Um 1840 ging man zur Drahtzieherei über. Das Neuwalzwerk zählte zu den sieben ältesten Drahtwalzwerken in Rheinland und Westfalen. Ab 1864 wurde die Erzeugung von Drahtgeweben und -geflechten ausschlaggebend für die Entwicklung des Werkes. Da die Textilweberei in Heimarbeit lange Jahre in Menden betrieben worden war, konnte man auf erfahrene Arbeitskräfte zurückgreifen. 1879 wurde in Bösperde die erste Drahtgeflechtmaschine Europas konstruiert. Bald kamen zwei weitere Maschinen hinzu und sicherten dem Werk für mehr als ein Jahrzehnt die Vorherrschaft auf dem Gebiet der Herstellung von Drahtgeflecht. Im 19. Jahrhundert gehörten Drahtstifte, Polsternägel, Schirmfurnituren und -gestelle ebenso zur Produktpalette wie Ketten, die vor allem nach Amerika exportiert wurden. Insbesondere Messingartikel ergänzten das Fabrikationsprogramm, darunter vor allem Handleuchter und Lampen, Fingerhüte, und Türknöpfe. 1957 erwarb die Firma OBO Bettermann das Neuwalzwerk. Noch bis 1995 wurde in den alten Anlagen weitergearbeitet.

Mendener Unternehmer als Global Player

  • Drahtgeflecht und Drahtflechtmaschinen des Neuwalzwerkes in Australien
  • Ganges-Becher von R. & G. Schmöle
  • Orient-Artikel von Thekla
  • Gusseiserne Lampenteile vom Eisenwerk Rödinghausen über Neheim nach Ostindien und Holländisch-Indien

Licht ins Dunkel: Kerzenleuchter, Öllampen, Tranfunzeln

Licht war über viele Jahrhunderte ein Privileg reicher Leute. Kerzenwachs, Öl und Tran waren kostbare Rohstoffe, die sparsam verwendet werden mussten. Licht und Dunkelheit prägten den Alltag und das Arbeitsleben der Menschen. Licht bedeutete nicht nur Helligkeit, sondern auch Wärme, Geborgenheit und Miteinander. Und Licht konnte eine der größten Gefahrenquellen in Hinsicht auf Stadtbrände werden. Vom Einsatz des Lichtes und seiner Weiterentwicklung hingen auch die Möglichkeiten der täglichen Arbeit, des Handwerks und der Produktivität einer Gesellschaft ab.

Die Anfänge der Mendener Leuchtenindustrie

Die Mendener Leuchtenindustrie entwickelte sich aus der metallverarbeitenden Industrie und nicht aus dem Elektrogewerbe. Bereits um 1830 wurden im Mendener Wirtschaftsraum Lampen und Leuchter und als notwendiges Zubehör Lichtputzscheren aus Messing hergestellt. Um 1853 gab man sich an die Anfertigung von Wagenlaternen und Wagenlampen. Mit der Verwendung von Erdöl zu Leuchtzwecken verlagerte sich aber die Herstellung von Lampen ausschließlich in das benachbarte Neheim; wahrscheinlich war die Mendener Messingindustrie als Lieferantin von Blechen oder gedrückten Einzelteilen für die Neheimer Lampenfabrikation tätig. Der Bedarf der Industrie an gusseisernen Vorfabrikaten für Petroleumhängeleuchten führte 1890 zur Gründung der Eisengießerei Rödinghausen KG, die sich als Lampenfabrik bezeichnete. 1912 begann der Unternehmer Lenze (heute Trilux) in Menden mit der Fertigung von Rohrpendel- und Rohrwandleuchten für Gas und elektrisches Licht. Auch an diesem Beispiel zeigt sich die enge Verflechtung mit Neheim, wohin wenig später der Sitz der Firma verlegt wurde. Weitere Mendener Leuchtenfirmen waren Jordan und Graewe, aber auch große historische Firmen wie Schmöle und Neuwalzwerk zählten die Herstellung von Leuchten oder Halbzeugen für Leuchten zu ihrem Fabrikationsprogramm.

Der Siegeszug der Außenleuchte

1947 entwickelte Heinrich Gantenbrink die erste Außenleuchte, die im Punkt-Schweiß-Verfahren auf industrielle Art hergestellt werden konnte. Bis dahin waren Außenleuchten teure handwerkliche Fertigungen und daher wenig verbreitet. Zusammen mit seinem Bruder Bruno gründete Heinrich die Leuchtenfirma BEGA. Nun eroberte sich die Außenleuchte Hausfassaden, Vorgärten und Straßenräume, wobei die Gebrüder Gantenbrink von Anfang an größten Wert auf Qualität legten und das Design der Leuchten den Ansprüchen der Architektur anpassten. Außenanlagen, Straßenzüge und Städte wurden auf bis dahin unbekannte Weise erhellt.

Vom Lichtbaustein zur Unterwasserleuchte

In den 60er Jahren wurde in der Firma BEGA der Lichtbaustein erfunden. Auf den Begriff "Lichtbaustein" ebenso wie auf die "Pollerleuchte", das "Lichtgitter" und die "Bausteinleuchte" erhielt das Unternehmen ein Patent. Weitere Entwicklungen, mit denen die Firma weltweit bekannt wurde, waren Bodenleuchten und Unterwasserleuchten. Im Hause BEGA entstehen die ersten Gartenleuchten mit Erdspieß, die ersten Unterwasserscheinwerfer sowie die ersten Scheinwerfer für ortsfeste und ortsveränderliche Montage. Die ersten Leuchten für Schiffe werden in den 70er Jahren dort produziert. Eine neue Möglichkeit, Glas mit Metallteilen aus Aluminiumdruckguss zu verbinden, läßt eine neuartige Leuchtengruppe entstehen, die heute an vielen Bauwerken der Weltarchitektur zu finden ist. Derzeit ist die Firma BEGA Hersteller der fortschrittlichsten und wohl größten Außenleuchtenkollektion - ein Licht geht um die Welt.

Mendener Firmen im 20. Jahrhundert

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Menden viele Firmengründungen, die in den folgenden Jahrzehnten zwei Weltkriege zu überstehen hatten. Einen weiteren Gründungsboom gab es nach dem Krieg in den Jahren des Wirtschaftswunders. Neben Kinderwagen, Haushaltsgeräten, Töpfen, Armaturen, Devotionalien und zahlreichen Artikeln aus Metall und nun auch aus Kunststoff wurden in Menden auch Nylon-Strümpfe in einem Zweigwerk der Opal-Werke hergestellt. Damit schließt sich der Kreis der Fertigung, der schon vor Jahrhunderten mit der Herstellung von textilen Geweben aus Leinen, Wolle und Seide begann und zwischenzeitlich zur weltbekannten Produktion von metallenem Gewebe führte. Neue Werkstoffe, zahlreiche Erfindungen und immer neue Techniken erforderten die Umstellung auf immer neue Produkte. Kochgeschirr wurde in Abhängigkeit von den immer moderneren Küchenherden entwickelt, Haushaltsgeräte waren Ausdruck ständiger Neuerfindungen aus dem Elektrobereich.

Auf Maloche - Arbeiteralltag

Pünktlichkeit und Disziplin, harte körperliche Arbeit, Bedingungen, die durch Hitze, einseitige körperliche Belastungen, Arbeitslärm geprägt waren, ein von früher Jugend an bis ins hohe Alter von der Firma und den Arbeitsbedingungen geprägtes Leben – das war der Alltag des Arbeiters. Gleichzeitig sorgte die Anstellung in einem Betrieb für ein geregeltes Einkommen, für gesicherten Unterhalt des einzelnen und seiner Familie und für die Weiterentwicklung der Stadt und des Umlandes hinsichtlich ihrer Infrastruktur. Die Mendener Arbeiter waren dem Unternehmen, in dem sie ihr Dasein zubrachten, eng verbunden. Eine patriarchalische Geschäftsführung, oftmals geprägt von hoher ethischer oder religiöser und sozialer Gesinnung, ließ viele der Arbeiter sich eng mit ihrem Betrieb identifizieren, was sich heute noch an dem Stolz auf die Bezeichnungen "Eisenwerker", "Schmölianer" und "Neuwalzwerker" ablesen lässt.

Arbeiterstreik von 1912

Drückende Arbeits- und Lohnverhältnisse in den Mendener Fabriken waren eine der Ursachen für die wachsende Unzufriedenheit der Arbeiterschaft und die zunehmende Solidarität untereinander. Bei der Firma Schmöle & Company brachen die Unruhen zuerst aus. Trotz vielfältiger diplomatischer Vermittlungsversuche des Bürgermeisters Dr. Overhues kam es 1912/13 zu einem sechsmonatigen Streik. Seinem Einsatz ist jedoch zu verdanken, dass es nicht zu Gewalttätigkeiten kam. Vor allem im Christlichen Metallarbeiterverband sahen sich die Streikenden repräsentiert.


Die WSG Menden bedankt sich beim Museum Menden und hier ganz besonders bei Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck, die die Texte zusammengestellt und der WSG Menden zur Verfügung gestellt hat. Mehr über das Museum Menden erfahren Sie hier.