Wie kann Digitalisierung dazu beitragen, eine Stadt lebenswerter, effizienter und zukunftsfähiger zu gestalten? Mit dieser Frage hat sich die Stadt Menden in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. Nach sieben Jahren endet nun das Bundesförderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ (MPSC) für Menden. Mit einem Fördervolumen von rund 3,3 Millionen Euro, vielen abgeschlossenen Projekten und zahlreichen neuen digitalen Angeboten wurde eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung der Stadt geschaffen. Doch der Abschluss des Förderprojekts bedeutet keineswegs das Ende der Smart City in Menden. Vielmehr geht es jetzt darum, die entstandenen Lösungen dauerhaft in den städtischen Alltag zu integrieren und ihren Nutzen weiter auszubauen.
Von der Idee zur Umsetzung
Der Grundstein wurde bereits 2019 gelegt, als Menden gemeinsam mit vier weiteren südwestfälischen Kommunen für das Bundesförderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ ausgewählt wurde. Nach dem Förderbescheid im Jahr 2020 folgten zunächst die Entwicklung einer Smart-City-Strategie, die unter anderem eine große Bürgerbeteiligung umfasste, und anschließend die praktische Umsetzung verschiedener Projekte.
Mit der Umsetzung der Smart-City-Strategie wurde die mendigital GmbH beauftragt. Dabei sollten nicht nur digitale Lösungen entwickelt, sondern auch neue Formen der Zusammenarbeit und innovative Arbeitsweisen erprobt werden. Die Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen der Stadtverwaltung, die ihr Wissen über bestehende Prozesse und fachliche Anforderungen einbrachten. Gemeinsam mit weiteren städtischen Akteuren konnten so unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen zusammengeführt und neue Ansätze unter realen Bedingungen erprobt werden.
Insgesamt wurden im Rahmen der Strategie 33 Projekte und Projektideen betrachtet. Davon konnten elf erfolgreich abgeschlossen werden. Sieben weitere wurden anderweitig finanziert. Dabei ging es nicht darum, möglichst viele digitale Lösungen umzusetzen, sondern solche zu entwickeln, die einen tatsächlichen Mehrwert für die Stadtgesellschaft und die Verwaltung bieten.
Digitale Lösungen mit messbarem Mehrwert
Was in den vergangenen Jahren entstanden ist, lässt sich inzwischen auch anhand konkreter Zahlen verdeutlichen.
Die Mendener Datenplattform bildet die technische Grundlage für eine datenbasierte Stadtentwicklung. Sie führt unterschiedliche Informationen zusammen und macht sie über Dashboards für die Verwaltung und teilweise auch für Bürgerinnen und Bürger zugänglich. Dazu gehören beispielsweise aktuelle Wetterdaten und Pegelstände. Mehr als 17.500 Dateneinträge werden täglich verarbeitet, die Dashboards monatlich über 300-mal aufgerufen.
„Mit der Datenplattform haben wir eine wichtige Grundlage geschaffen, um Daten sinnvoll zu nutzen und daraus einen echten Mehrwert zu schaffen. Entscheidend war dabei die enge Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen der Stadtverwaltung. Nur wenn technische Möglichkeiten und praktische Anforderungen zusammenkommen, entstehen Lösungen, die im Alltag funktionieren“, erklärt Svenja Schönert, Geschäftsführerin der mendigital GmbH.
Die IoT-Sensorik im Stadtgebiet liefert dafür wichtige Daten. Mehr als 350 Sensoren erfassen unter anderem Wetter, Pegelstände, Verkehr und Raumklima. Wie daraus konkrete Anwendungen entstehen, zeigt das öffentliche Dashboard für Behindertenparkplätze: Menschen mit Behinderung können freie Stellplätze in der Innenstadt erkennen und sich direkt dorthin navigieren lassen. An den Mendener Schulen helfen vernetzte Raumklima-Ampeln zudem, den Gebäudebetrieb zu optimieren und Energieeinsparpotenziale zu erkennen.
Die digitalen Angebote machen Menden auf neue Weise erlebbar. Die Freizeitplattform „Erlebnis.Stadt Menden“ bündelt zahlreiche besondere Erlebnisse, Veranstaltungen und Freizeitangebote, die sonst häufig schwer zu finden sind. Mit „ARound Menden“ können Interessierte die Stadtgeschichte mithilfe von Augmented Reality entdecken – etwa beim virtuellen Erkunden des Vincenzturms oder einer Begegnung mit dem Höhlenbären „Bärtold“.
Die Zukunfts.Werk.Stadt Menden machte digitale Technologien für Menschen aller Generationen zugänglich. Mehr als 3.300 Teilnehmende besuchten über 135 Workshops und Veranstaltungen rund um Themen wie Künstliche Intelligenz, Virtual Reality oder 3D-Druck. Bewährte Angebote bleiben auch nach dem Ende des Stadtlabors erhalten: Die Smartphone-Sprechstunde für Seniorinnen und Senioren sowie Teile der technischen Ausstattung finden im Hönnetreff eine neue Heimat.
Herausforderungen als Teil des Entwicklungsprozesses
Der Weg zur Smart City verlief allerdings nicht immer reibungslos. Insbesondere der Cyberangriff auf den kommunalen IT-Dienstleister Südwestfalen-IT (SIT) führte zu erheblichen Verzögerungen und band zusätzliche Ressourcen. Auch vertragliche Abstimmungen beim Aufbau der gemeinsamen Datenplattform innerhalb des südwestfälischen Konsortiums erwiesen sich als aufwendig.
Hinzu kamen technische Herausforderungen. Einzelne Sensoren funktionierten nicht zuverlässig, andere ließen sich nur mit zusätzlichem Aufwand in bestehende Systeme integrieren. Die Erfahrungen zeigten, wie wichtig es ist, neue Technologien zunächst unter realen Bedingungen zu erproben und bei Bedarf nachzusteuern.
Auch die neuen Formen der Zusammenarbeit lieferten wichtige Erkenntnisse darüber, wie digitale Projekte künftig effizienter und gemeinsam umgesetzt werden können. Zuständigkeiten müssen frühzeitig geklärt, Beteiligte von Beginn an eingebunden und digitale Lösungen flexibel weiterentwickelt werden.
Gerade dafür bot das Förderprogramm einen wertvollen Rahmen. Es ermöglichte, neue Ansätze auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und auch aus Schwierigkeiten zu lernen.
Digitalisierung ist kein Selbstzweck
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus sieben Jahren Smart City Menden lautet: Eine Stadt wird nicht allein dadurch smart, dass sie neue Technologien einführt. Entscheidend ist, wie diese Technologien eingesetzt werden und welchen konkreten Nutzen sie für die Menschen und die Verwaltung schaffen.
Die umgesetzten Projekte zeigen dabei, wie unterschiedlich dieser Nutzen aussehen kann: Mal ist es eine Parkplatzsuche, mal ein neuer Zugang zur Stadtgeschichte oder die Möglichkeit, digitale Technologien ohne Vorkenntnisse auszuprobieren. An anderer Stelle entstehen durch Daten neue Informationsangebote oder Möglichkeiten, städtische Ressourcen gezielter einzusetzen. Gemeinsam ist diesen Ansätzen, dass nicht die Technik selbst, sondern ihre sinnvolle Anwendung im Mittelpunkt steht.
Dazu gehört auch, bestehende Arbeitsweisen zu hinterfragen. Digitale Werkzeuge können Prozesse vereinfachen, Informationen besser verfügbar machen und datenbasierte Entscheidungen unterstützen. Damit dieses Potenzial tatsächlich genutzt werden kann, müssen sich allerdings auch Abläufe und Strukturen innerhalb der Verwaltung weiterentwickeln. Die Erfahrungen aus dem Smart-City-Projekt haben gezeigt, dass Digitalisierung deshalb nicht nur eine technische, sondern auch eine organisatorische Aufgabe ist. Neue Arbeitsweisen müssen gemeinsam entwickelt, erprobt und innerhalb der Organisation getragen werden.
Ebenso wichtig ist es, die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen. Frühzeitige Beteiligung, transparente Kommunikation und der Aufbau digitaler Kompetenzen sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass neue Lösungen langfristig angenommen und genutzt werden.
Das Fundament steht – jetzt geht die Entwicklung weiter
Mit dem Ende der Förderung ist die digitale Transformation Mendens nicht abgeschlossen. Vielmehr wurde in den vergangenen Jahren das Fundament gelegt, auf dem die weitere Entwicklung aufbauen kann.
„Wenn wir zurückblicken, wo wir vor sieben Jahren standen, haben wir bereits viel erreicht. Das Förderprogramm hat uns die Möglichkeit gegeben, uns intensiv mit der digitalen Zukunft unserer Stadt auseinanderzusetzen, Dinge auszuprobieren und wichtige Grundlagen zu schaffen. Aber Smart City ist kein fertiges Gebäude, das wir jetzt einfach beziehen können. Das Fundament steht, erste Mauern sind errichtet. Jetzt kommt es darauf an, gemeinsam das Innere zu füllen und Digitalisierung als selbstverständlichen Bestandteil unserer Arbeit zu verankern“, sagt Jasmin Grünschläger, Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Menden.
Dazu gehört, bereits geschaffene Angebote sinnvoll weiterzuführen, die Datenplattform stärker in Verwaltungsprozesse einzubinden und neue Anwendungsfälle gezielt nach ihrem tatsächlichen Nutzen auszuwählen. Gleichzeitig soll die Digitalisierung noch stärker als dauerhafte Aufgabe innerhalb der Stadtverwaltung verankert werden. Die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger sollen dabei ebenso im Mittelpunkt stehen wie die Anforderungen der Verwaltung. Denn langfristig erfolgreich sind digitale Lösungen vor allem dann, wenn sie verständlich, zugänglich und im Alltag tatsächlich hilfreich sind.
Die Förderung hat den entscheidenden Anstoß gegeben und Möglichkeiten eröffnet, die ohne diese Unterstützung nur schwer realisierbar gewesen wären. Nun kommt es darauf an, die gewonnenen Erkenntnisse in den Alltag zu übertragen und die vorhandenen Strukturen mit Leben zu füllen.
Menden ist Teil der „Modellprojekte Smart Cities“, die durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und die KfW gefördert werden.


