Kunst-Performance zur Ausstellung "Feuer & Flamme für die Kunst"

Erste Bilanz des neuen Projektraumes auf Gut Rödinghausen

Seit ihrer Eröffnung Ende Juli hat die Ausstellung »Feuer & Flamme für die Kunst – Thomas Volkmann« zahlreiche Besucherinnen und Besucher in den neuen Projektraum auf Gut Rödinghausen geführt. Die Arbeiten des Künstlers Thomas Volkmann haben dabei nicht nur Interesse an zeitgenössischer Kunst geweckt, sondern vor allem Gespräche ausgelöst: über den Wert von Kunst, über Verantwortung und über die Frage, was eine Gesellschaft bewahren möchte.

Das Ausstellungskonzept stellte die Besucherinnen und Besucher bewusst vor eine Entscheidung. Alle ausgestellten Werke konnten zu einem einheitlichen Preis erworben werden. Mit jedem Kauf wurde nicht allein ein Kunstwerk übernommen, sondern zugleich eine Entscheidung für seinen Erhalt getroffen. Die Ausstellung macht damit einen Gedanken sichtbar, der den Alltag von Museen seit jeher prägt: Kulturelles Erbe bleibt nicht von selbst erhalten. Hinter jeder Sammlung und jeder Ausstellung stehen Menschen, die Verantwortung übernehmen und entscheiden, was für kommende Generationen bewahrt werden soll. So beschreibt das Kulturbüro den konzeptionellen Ansatz der Ausstellung.

Ausstellung endet mit stiller Verbrennung der nicht verkauften Werken

Am Mittwoch, 04.11.2026 um 18.00 Uhr endete dieser Prozess. Die Werke, die bis zu diesem Zeitpunkt keinen neuen Besitzer gefunden hatten, wurden im Innenhof von Gut Rödinghausen in einer bewusst schlicht gehaltenen Zeremonie verbrannt. Der Sauerländer Fotograf Dirk Vogel hielt die Aktion zu Dokumentationszwecken fest. Die Museumsleitung hatte sich ausdrücklich gegen eine Inszenierung entschieden, um in einem Moment der Stille und des Innehaltens daran zu erinnern, dass jeder Verlust von Kultur auch den Verlust möglicher zukünftiger Begegnungen, Gedanken und Perspektiven bedeutet.

In einer spontanen Aktion beteiligten sich Studierende von Thomas Volkmann an der Verbrennung, indem sie ausgewählte eigene Werke den Flammen übergaben. Sie waren bereit, etwas zu opfern, das für sie einen persönlichen und künstlerischen Wert besitzt, ohne dass dieser Wert durch einen Verkauf bestätigt werden muss. Während die Werke von Thomas Volkmann durch Geld vor der Vernichtung bewahrt werden, entziehen die Studierenden ihre Arbeiten bewusst dieser Logik. Sie demonstrieren, dass der Wert von Kunst nicht an einen Preis gebunden ist. Die Vernichtung wird dadurch selbst zu einem künstlerischen Akt.

»Ich lasse den Markt über das Schicksal meiner Werke entscheiden.
Die Käufer konnten Kunst durch Geld vor der Vernichtung bewahren.
Die Studierenden verzichten bewusst auf diese Möglichkeit und opfern ihre Arbeiten.
Das Publikum muss sich fragen, ob Kunst erst durch ihren Verlust an Bedeutung gewinnt.
Die Studierenden opfern ihre Werke nicht, weil diese keinen Wert besitzen, sondern gerade, weil sie einen Wert besitzen. Das Opfer ist nur dann bedeutsam, wenn etwas verloren geht, das erhaltenswert gewesen wäre. Ihre Handlung wird damit zu einem bewussten Widerspruch gegen die Vorstellung, dass der Wert von Kunst ausschließlich durch ihren Verkauf bestimmt wird.«

Thomas Volkmann

Asche als letztes Erinnerungsstück im Projektraum ausgestellt

Im Anschluss kehrte die Asche der Werke in den Projektraum zurück. Sie bildet den letzten Teil der Ausstellung und verweist auf die zentrale Fragestellung des Projektes: Welche Verantwortung tragen wir für das, was wir erhalten – und für das, was wir verloren gehen lassen? 

Mit der Ausstellung hat der neue Projektraum auf Gut Rödinghausen seine inhaltliche Ausrichtung erstmals sichtbar gemacht. Künftige Projekte werden Kunst, historische Forschung und Archivmaterial miteinander verbinden und sich schrittweise Fragen der regionalen Erinnerungskultur widmen. Dabei wird auch die Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit im Raum Menden mit den Lagern im Biebertal und dem Stollen Schwalbe I einen wichtigen Schwerpunkt bilden. Dies erläutert das Kulturbüro mit Blick auf die künftige Ausrichtung des Projektraums.

Die Überreste der Ausstellung »Feuer & Flamme für die Kunst – Thomas Volkmann« sind noch bis zum 15.11.2026 im Projektraum auf Gut Rödinghausen zu sehen. 

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