Über die Schenkung von gleich zwei Porträts des überregional bekannten Mendener Künstlers Friedrich Lillotte (1817–1873) durften sich kürzlich die Museen der Stadt Menden freuen. Die feierliche Übergabe an Jutta Törnig-Struck, Leiterin des Kulturbüros der Stadt Menden, und Marius Stiehler, Leiter der Museen der Stadt Menden, erfolgte Anfang April 2026 im Museum für Stadt- und Kulturgeschichte durch Thomas Eggers, 1. Vorsitzender des Museums- und Heimatvereins Menden (Sauerland) e.V. Der Verein hatte die beiden Werke zuvor bei einer Auktion in Ostwestfalen angekauft.
Bei den in Öl auf Leinwand gemalten Bildern handelt es sich um ein Eheporträt des Kaufmannsfabrikanten Carl Friedrich Schmöle (1782–1863) und seiner Ehefrau Luise Schmöle, geborene Budde (1788–vor 1831). Aus ihrer Ehe gingen sieben Kinder hervor, darunter die Söhne Rudolf und Gustav, die das von ihrem Vater gegründete Industrieunternehmen unter dem Namen R. & G. Schmöle erfolgreich weiterführten. Eines ihrer bekanntesten Produkte ist das sogenannte „Engelshaar“, das als dünnster Draht der Welt gilt.
Vor einem dunklen, unbestimmten Hintergrund stellt der an der Düsseldorfer Akademie ausgebildete Maler Friedrich Lillotte das Ehepaar als zusammengehörige Einheit dar. Aus Luises ernstem, auf ihren Gatten gerichtetem Blick sprechen gleichermaßen Stolz und Verehrung, die sie an der Seite ihres aufstrebenden Ehemannes empfunden haben dürfte. Zugleich weist der Künstler beide Ehepartner durch bestimmte Attribute als Personen ihrer Zeit aus: Die sorgsam unter dem Kinn geknotete Spitzenhaube fasst das in Korkenzieherlocken frisierte Haar ganz im Stil der Biedermeierzeit zusammen. Auch der Kragen ihres dunklen Tageskleides, über das ein rotes Schultertuch gelegt ist, besteht aus handgearbeiteter Spitze und verweist auf handwerkliche Fingerfertigkeit. In ihrer adretten Gesamterscheinung charakterisiert der Künstler Luise als treue Ehegattin, liebende Mutter und fleißige Hausfrau. Demgegenüber verweist der Preußische Adler-Orden IV. Klasse auf die Verdienste Carl Friedrichs als Unternehmer und Person des öffentlichen Lebens. Sich seines Ansehens und seiner Stellung bewusst, richtet er seinen Blick unmittelbar auf den Betrachter. Da Luise zur Entstehungszeit der Porträts um 1840 bereits verstorben war, lässt der Auftrag eines posthum von ihr angefertigten Bildnisses auf die hohe Wertschätzung und Zuneigung schließen, die ihr ihr Ehemann entgegengebracht hat.
Die nun übergebenen, sehr gut erhaltenen Porträts ergänzen den beachtlichen Museumsbestand an Werken Friedrich Lillottes und bereichern die Sammlung der Museen der Stadt Menden in besonderer Weise.
Mit der Schenkung des Bildnisses von Carl Friedrich Schmöle gelingt zudem eine Erweiterung des Porträtbestandes seiner Person: Im Industriemuseum auf Gut Rödinghausen ist bereits ein früheres Porträt von ihm ausgestellt.
Der künstlerische Werdegang Friedrich Lillottes und seine Bedeutung für die Mendener Kunst- und Kulturgeschichte wurden zuletzt von Jutta Törnig-Struck im Rahmen des Vortragsabends „Friedrich Lillotte – Die Mendener und ihr Maler“ auf Gut Rödinghausen am 29.04.2026 vorgestellt.
Die Porträts von Luise und Carl Friedrich Schmöle sind im Rahmen der neuen Sonderausstellung „mendenverliebt – Love Stories aus 750 Jahren“ im Museum für Stadt- und Kulturgeschichte (Marktplatz 3, 58706 Menden) erstmals öffentlich zu sehen. Die Ausstellung des Kulturbüros und der Museen der Stadt Menden ist eine Kooperation mit der Fotografin Xenia Kehnen. Neben dem Museum für Stadt- und Kulturgeschichte sind auch im gegenüberliegenden Biggeleben-Patrizierhaus (Marktplatz 4, 58706 Menden) sowie im Ausstellungsfoyer des Neuen Rathauses (Neumarkt 5, 58706 Menden) Teile der Ausstellung bis zum 08.07.2026 eintrittsfrei zu sehen.
