Fließgewässer

In NRW werden oberirdische Gewässer eingeteilt in

  • Gewässer erster Ordnung (Hauptabschnitte der Ems, Lippe, Ruhr und Sieg sowie die Bundeswasserstraßen)

  • Gewässer zweiter Ordnung (Agger, Emscher, Erft, Lenne, Lippe, Niers, Rur, sowie Teilabschnitte obiger Gewässer I. Ordnung)

  • Sonstige Gewässer.

Anlagen zur Ableitung von Abwasser und gesammelten Niederschlagswasser sowie zur Straßenentwässerung gewidmete Seitengräben (Straßenseitengräben) sind nicht Gewässer.

Neben dem landschaftsprägenden Charakter der Fließgewässer und ihrer Auen macht vor allem ihre Biotop- und Vernetzungsfunktion ihre Bedeutung aus; sie sind Lebens- und Entwicklungsadern für Pflanze, Tier und Mensch.

In der Vergangenheit wurden Bäche und Flüsse aus vielen Gründen genutzt und verändert. Sie wurden als Produktions-, Kühl und Transportmittel genutzt, im Rahmen der Stadt- und Verkehrsplanung verlegt, aufgestaut, begradigt und verrohrt und sogar als Abwasserleiter missbraucht.

Bereits vor Jahrzehnten hat hier ein Umdenkungsprozess stattgefunden. Galten die Bemühungen des Gewässerschutzes anfangs noch in erster Linie der Verbesserung der Wasserqualität gehören nun neben den physikalisch-chemischen Eigenschaften des Wassers auch die Sedimente, Fließeigenschaften und morphologischen Strukturen zur ganzheitlichen Betrachtung des Gewässerzustandes. Die Flüsse sollen wieder als möglichst vielfältige Lebensräume für wasserabhängige Pflanzen und Tiere fungieren.

Der Schutz der Gewässer als Lebensraum für Pflanzen und Tiere und als Trinkwasserressource ist inzwischen auch ein wichtiges Thema der europäischen Umweltpolitik. Mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) haben sich alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet, dem natürlichen Zustand hinsichtlich des ökologischen und chemischen Zustands der Oberflächengewässer und hinsichtlich des chemischen und mengenmäßigen Zustands des Grundwassers möglichst nahe zu kommen. Dafür sind bestimmte Fristen festgelegt.

Für die Gewässer wird angestrebt, stabile Lebensgemeinschaften auszubilden, die für den jeweiligen Naturraum und für die Größe des Baches oder Flusses typisch sind. Ein solcher gewässerspezifischer Zustand entspricht dem „guten Zustand“, der in Europa entsprechend der EG-Wasserrahmenrichtlinie angestrebt wird. Wie immer sind Ausnahmen von der Regel möglich. Manche Gewässer sind in der Vergangenheit erheblich verändert worden oder wurden künstlich geschaffen. Auch für diese Gewässer wird eine Verbesserung angestrebt, soweit wie es möglich ist. Unmögliches wird dabei aber nicht verlangt. Die Wasserrahmenrichtlinie lässt in begründeten Fällen Ausnahmen von der  Erreichung des „guten Zustands” zu. Solche Gewässer können als "erheblich verändert" ausgewiesen werden.

Wer sich umfangreicher über die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) auf Landesebene informieren möchte, kann dies auf der Internetseite Flussgebiete in NRW tun. Wer an Detailinformationen über den Zustand der Mendener Fließgewässer interessiert ist, kann diese über den Kartenservice ELWAS abrufen.


Mendener Fließgewässer und ihre Entwicklung

Auch wenn vielen Hönnestadt – Bewohnern allenfalls noch Bieber und Oese in den Sinn kommen, so gibt es dennoch über hundert größere und kleinere Bäche im Mendener Stadtgebiet. Die bekannteren unter ihnen heißen Lahrbach, Rüthersbach oder Wannebach, manche haben aber auch exotischere Namen wie Teufelssiepen oder Drogen Siepen und auch über den Jordan kann man in Menden gehen. Dazu kommen noch zahlreiche namenlose Bächlein. Nachfolgende Graphik veranschaulicht das Wasseradernetz, von dem das Stadtgebiet durchzogen wird.


Ein sehr gutes Anschauungsobjekt für die Gegenüberstellung von naturnahem und naturfernem Zustand bietet die Bieber. Stadteingangs, auf den ersten zwei Kilometern schlängelt der Bach hin und her – man spricht von mäandrieren – und weist sowohl in Linienführung, Querprofilgestaltung und Fließverhalten eine ökologisch hervorragende Strukturvielfalt auf. Nachfolgende Luftaufnahme dieses Gewässerabschnitts sowie die beiden anschließenden Fotos machen dies deutlich.



Anfang der 60er Jahre wurde die Bieber nach entsprechenden Regulierungsplanungen von der Brücke Bremker Weg bis zur Einmündung in die Hönne ausgebaut. Auf diesem Abschnitt wurde das gesamte Sohlgefälle auf 5 % festgelegt und sechs Sohlabstürze mit einer Absturzhöhe von 0,7 m bis 1,3 m eingebaut. Das Querprofil wurde einheitlich als Trapezprofil mit einer Sohlbreite von 2 m und einer Tiefe zur Hochwasserableitung von 1,86 m gestaltet. Dieser Ausbau erfolgte nach hydraulischen Prinzipien zur schnellen Ableitung bei Hochwasser. Aufgrund der durch den geradlinigen Verlauf bedingten hohen Fließgeschwindigkeiten traten und treten insbe-sondere im Bereich der Absturzbauwerke immer wieder Schäden im Uferbereich auf; Sohl- und Uferbereiche mussten daher massiv gesichert werden. Ein Beispiel für diesen Ausbauabschnitt zeigt das nebenstehende Foto.

Gewässerunterhaltung

Unter einer Gewässerunterhaltung versteht man selbstverständlich weder ein Gespräch mit noch über Bäche und Flüsse.

Die Unterhaltung eines oberirdischen Gewässers umfasst seine Pflege und Entwicklung. Zur Gewässerunterhaltung gehören insbesondere:

  • die Erhaltung des Gewässerbettes, auch zur Sicherung eines ordnungsgemäßen Wasserabflusses,

  • die Erhaltung der Ufer, insbesondere durch Erhaltung und Neuanpflanzung einer standortgerechten Ufervegetation, sowie die Freihaltung der Ufer für den Wasserabfluss,

  • die Erhaltung und Förderung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässers insbesondere als Lebensraum von wild lebenden Tieren und Pflanzen,

Die Gewässerunterhaltung nach § 28 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und § 90 Landeswassergesetz (LWG) erstreckt sich auf das Gewässerbett einschließlich der Ufer. Zur Unterhaltung gehört auch die Freihaltung, Reinigung und Räumung des Gewässerbettes und der Ufer von Unrat, soweit es dem Umfang nach geboten ist.

Die Gewässerunterhaltung muss also sowohl den ordnungsgemäßen Wasserabfluss gewährleisten, als auch dem Anspruch auf die Erhaltung und Entwicklung der ökologischen Funktionen des Gewässers genügen.

Die Pflicht zur Unterhaltung der fließenden Gewässer liegt bei Gewässern zweiter Ordnung und bei sonstigen Gewässern den Gemeinden, die mit ihrem Gebiet Anlieger sind (Anliegergemeinden).

Die Gemeinde kann ihre Pflichten zur Unterhaltung der Gewässer auf eine Anstalt des öffentlichen Rechts übertragen. Soweit Wasserverbände nach Gesetz oder Satzung die Gewässerunterhaltung zur Aufgabe haben, obliegt ihnen die Gewässerunterhaltung; insoweit treten sie an die Stelle der Gemeinden.

Die Unterhaltungszuständigkeit der Fließgewässer im Stadtgebiet Menden verteilt sich auf die Stadt Menden und fünf Wasserverbände (WV) und ist entsprechend nachfolgender Tabelle aufgeteilt.

Unterhaltungspflichtiger

Gewässer / Gewässerabschnitt

Wasserverband Hönne I

Von Oberrödinghausen bis zur Brücke Bessemer Weg

Wasserverband Hönne-Oese

Hönne: Von der Brücke Bessemer Weg bis zur Brücke Battenfeld

Oese: Von dem Auslauf der Oeseteiche bis zur Einmündung in die Hönne

Wasserverband Hönne III

Von Bahnhofsbrücke Menden bis Einmündung in die Ruhr

Wasserverband Bieber

Von der Stadtgrenze Arnsberg bis zur Einmündung in die Hönne

Wasserverband
Bösperde / Halingen

Der überwiegende Teil des Einzugsgebietes der Wasserläufe in den Ortsteilen Bösperde / Halingen

Stadt Menden

Wasserläufe, die in die Hönne, Bieber und Oese münden;
die Hönne von der Stadtgrenze bis Oberrödinghausen sowie zwischen der Brücke Battenfeld und der Bahnhofsbrücke;
die Oese von der Stadtgrenze Hemer bis zum Auslauf der Oeseteiche;
all übrigen, nicht von den Wasserverbänden unterhaltenen Gewässer

Gewässerausbau

Gewässerausbau ist die Herstellung, die Beseitigung und die wesentliche Umgestaltung eines Gewässers oder seiner Ufer. Nach dem Grundsatz des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) sind Gewässer so auszubauen, dass natürliche Rückhalteflächen erhalten bleiben, das natürliche Abflussverhalten nicht wesentlich verändert wird, naturraumtypische Lebensgemeinschaften bewahrt und sonstige nachteilige Veränderungen des Zustands des Gewässers vermieden oder, soweit dies nicht möglich ist, ausgeglichen werden.

Der Gewässerausbau bedarf gem. § 68 WHG der Planfeststellung oder Plangenehmigung durch die zuständige Behörde. Für Menden ist dies die Untere Wasserbehörde des Märkischen Kreis.

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Gewässerabschnitte im Mendener Stadtgebiet ausgebaut. Diese Ausbaumaßnahmen stellten i. d. R. Renaturierungen dar, d.h. die Gewässer wurden in diesen Bereichen wieder naturnaher gestaltet, sei es als Ausgleich für die Umsetzung von Bebauungsplänen oder zur Gewährleistung der hydraulischen Anforderungen bzw. der Hochwasserfreiheit der Baugebiete. Einige herausragende Gewässerausbau- bzw. –renaturierungsmaßnahmen werden auf den entsprechenden Seiten näher beschrieben.

 


Die Baumaßnahme startete Ende Oktober 2014

Am Hengerfeld (im Norden von Lendringsen/östlich der Hönne, von weitem erkennbar am Starkstrommast) wurde das bislang gradlinige Ufer der Hönne unter Aufweitung des Gewässerbetts in naturnaher Form neu gestaltet. Angrenzend wurde eine umfangreiche 14.000 m³ fassende Flutmulde geschaffen, die neben der Funktion als hochwertiger Gewässerbiotop zusätzlichen Retentionsraum für Hochwasser bietet.

Die Planung im Detail geht aus dem unten abgebildeten Gestaltungsplan hervor, sie enthält folgende Hauptelemente:

  1. Eine quer in der Hönne vor Jahrzehnten eingebaute Sohlschwelle/Staustufe wird beseitigt. Sie stellt bislang ein unüberwindbares Hindernis für  gegen die Strömung wandernde kleinere Gewässerorganismen dar.
  2. Die zur Fixierung des rechten Ufers eingebauten Steine werden gelöst und wallartig am Südrand des Gebiets abgelegt. Hier werden viele Kleintiere einen Unterschlupf und Sonnenplätze für die Thermoregulation finden (z.B. bekanntermaßen wichtig für Reptilien).
  3. Das Hönnebett wird bis an eine verbleibende Geländerippe heran erweitert. Hierdurch werden sich in Bögen schwingende und aufteilende Fließströme, Schotterbänke usw. bilden. Die Vielzahl neuer Gewässerstrukturen wird sich einer Vielzahl neuer Hönnebesiedler als Lebensraum anbieten, was sich u.a. nachhaltig positiv auf die Gewässerqualität auswirkt.
  4. Die Geländerippe stellt Steilufer für den Nistplatzbau spezialisierter Tierarten (Eisvogel, Uferschwalbe, Hautflügler etc.) bereit und trennt die Hönne von der Retentionsmulde (bis sie von allzu kräftigem Hochwasser weggespült wird).
  5. Die Retentionsmulde fließt auch bei den häufig niedrigen Hönnewasserständen nicht völlig leer, sondern hält in einer langestreckten Eintiefung jederzeit Wasser zurück für Tiere und Pflanzen, die an das Leben in periodischen Gewässern angepasst sind.
  6. Der Unterlauf des Pasche- + Heilersiepens wird in einem neuen Bett durch die Retentionsmulde geführt.
  7. Abschließend erhält das Gebiet am Südrand einen Gehölzrahmen aus Sträuchern und kleinen Bäumen.
  8. Das Gebiet von der Fuß-/Radwegbrücke sowie von einer nebenan erstellten Plattform mit Ruhebank einsehbar und ermöglicht lebendige Naturbeobachtungen.

soweit der Plan ...

Am 27.10.2014 rücken die Bagger an


Nach ungeplant langen niederschlagsbedingten Zwangspausen ...


...ist die Baumaßnahme am 10.04.2015 fertiggestellt. Rund 14.000 m³ Boden wurden nach Hemer und anderswo in NRW gebracht und geben nun den Blick frei auf ein kleines Stück neu und nach natürlichem Vorbild modellierter Flußlandschaft. Genießen Sie ihn. Von Bank oder Brücke aus können Sie mit einem Fernglas bereits die ersten neuen gefiederten Gäste beobachten ...





Die Hönnemündung wurde vom 10.11. - 10.12.12 mit großem maschinellen Einsatz auf ihre doppelte Breite erweitert. In diesem Zuge wurden unnatürliche Verbauungen aus großen Steinen sowie eine Spundwand beseitigt. Direkt nebenan entstand in einer umfangreichen Ausgleichsfläche ein größerer Weiher für Libellen, Frösche, Froschlöffel & CO.


Die Hönne fließt in Menden seit den 60er Jahren überwiegend in einem Korsett aus gesetzten Steinplatten und -blöcken auf den Uferböschungen. Im Unterlauf ist sogar zusätzlich die Sohle betroffen, das bedeutet: Von der Brücke Abtissenkamp bis an die Mündung in die Ruhr wurde die Flusssohle durch in Mörtel gesetztes Steinpflaster befestigt und dieses entlang der Mündungslinie darüberhinaus durch eine 3 m tiefreichende Spundwand fixiert. Die Ufer wurden hier - wie im Stadtgebiet überwiegend - durch pflasterartige Lagen großer Steine z.T. bis an die Böschungsschulter plattiert, mit einer Schicht Mutterboden überdeckt und mit Rasen eingesäht. Im dicht bebauten Stadtgebiet ist eine Sicherung der Ufer vor erodierten Ausbrüchen zum Schutz der nah stehenden Gebäude notwendig, in unbebauten Bereichen ist sie unerwünscht.


Die monotone Ausbildung der Ufer kann deren ursprüngliche natürliche Funktion nicht erfüllen. Ursprünglich bestanden durch unterschiedliche Vegetation und Geländeformen abwechselungs- und strukturreiche Ufer, die einen hochwertigen Lebensraum für eine spezialisierte Flora sowie Fauna boten und für einen gemäßigten Wasserabfluss sorgten (Strukturen und Aufweitungen bremsten die Fließgeschwindigkeit). Diese Funktionen sind in den letzten beiden Dekaden als von hervorragender Bedeutung akzeptiert, insbesondere wegen der vermehrt auftretenden Überschwemmungen und des fortschreitenden Schwunds an Tier- und Pflanzenarten an technisch überformten Fließgewässern.


In den letzten Jahren wurde die Hönne mit Naturelementen strukturell angereichert: Felsen sorgen für ein lebhafteres Strömungsbild, Baumpflanzungen sorgen für Schatten, Lebensraum und neue Nahrungsquellen für Tiere, an zwei Hönneabschnitten sind umfangreiche Flussbettrenaturierungen vorgenommen worden und letztendlich wurden sämtliche größeren Sohlstufen, die Barrieren für wandernde Gewässerorganismen darstellen, in Menden entschärft - mit Ausnahme der letzten, der Spundwand in der Hönnemündung. Hier stürzt bei Niedrigwasser die Hönne wie über einen Miniwasserfall in die Ruhr, der die meisten Wassertiere an der Einwanderung in die Hönne hindert.
Diese Spundwand wurde nun beseitigt. Im gleichen Zuge wurde das Sohlen- sowie das Uferböschungspflaster an einigen Stellen aufgenommen und der Hönneunterlauf bis zur doppelten bisherigen Breite aufgeweitet. Die ständige Wassererosion soll im Laufe der Zeit ein naturnahes Gewässerbett schaffen, mit Uferabbrüchen, die z.B. für Uferschwalbe, Eisvogel sowie Wildbienen die existentiellen Brutplätze darstellen. Aus den großen Steinen der Ufer- und Sohlbefestigung wurden Wälle entlang der Hönne und des Fuß-/Radwegs geschüttet. Sie bilden zukünftig Unterschlupf für zahllose kleinere Tiere. Pflanzen werden die Steine von Jahr zu Jahr mit mehr Leben überziehen.
Die Maßnahme finanziert sich zu 100 % aus Fördergeldern.

Nachfolgend können Sie die Gestaltung der Hönnemündung zu Zeiten der Luftbildaufnahmen 1944, 1965, 2009 und 2012 (ins 2009er Bild skizziert) vergleichen


-----1944-------------------1965-------------------2009-------------------2015------


Das Land bis über 100 m rechts und links der Hönne wird als Ausgleichsfläche eingerichtet. Hier entstehen Wiesen, Gehölze sowie ein Stillgewässer, die als selten gewordene Landschaftselemente der Flussaue den auf sie angewiesenen Pflanzen und Tieren dringend benötigten Lebensraum bieten sollen. Die Ausgleichsflächen sind für den Schutz und die Entwicklung der Natur reserviert.

 

Für menschliche Besucher wurden umgeben von Hecken zwei Liege- und Spielwiesen angelegt und regelmäßig gepflegt:


eine in Nähe der Bahnbrücke über die Ruhr - ihre Zuwegung führt über den Fuß-/Radweg, am Wegeknick nahe der Bahnbrücke geradeaus über den gemähten Wiesenweg. Diese Zuwegung leitet die Besucher in einem größeren Abstand am Hönneunterlauf vorbei, an dem sich störungsanfällige Vogelarten ansiedeln bzw. aufhalten können sollen. Ebenso ist die Liegewiese als Alternative gedacht für die Leute, die bislang gern ihr Lager direkt an der Hönnemündung aufgeschlagen haben. Sie werden nun im Hinblick auf den Naturschutz dringend gebeten, ausschließlich die neue Liegewiese zu nutzen.


und eine weitere Wiese im Bereich der neuen Obstwiese nahe Abtissenkamp neben der Hönne, die hier schon seit längerem als Erfrischung an warmen Sommertagen von Jugendlichen genutzt wird.


Im Gebiet des Bebauungsplans Nr. 152 „Ehemaliges Eisenwerk“ in Lendringsen verliefen noch bis vor kurzem zwei verrohrte Bäche: Der Paschesiepen erreicht das Untersuchungsgebiet frei fließend in einem z.T. naturnah strukturierten Bett. An der Mendener Straße entlang wurde er verrohrt unter dem östlichen Gehsteig in Richtung Norden geführt und 400 m weiter nach Unterquerung der Straße in die Hönne geleitet. Der Heilersiepen wurde verrohrt am Nordrand der Neuwerkstraße entlang und dann in nordwestlicher Richtung mitten durch die Feldflur geführt, bis er nach Unterquerung eines Abwasserhauptsammlers auf einen Entwässerungsgraben des ehemaligen Eisenwerkes traf und in diesem geradlinig offen bis in die Hönne floss.

Für den Paschesiepen stand schon seit langem eine Offenlegung an, die als Ausgleichsmaßnahme für den Bau des „Staukanals Rödinghausen“ festgesetzt wurde. Die offene Führung des Heilersiepens wurde zur Verbesserung der Umweltbedingungen (z.B. Wasserqualität, Biotopausstattung, Ortsbild) angestrebt. Kurz vor Einmündung in die Hönne sollen beide Bäche zusammenfließen, sodass beide Gewässer ein zusammenhängendes System bilden. Entsprechend wurden beide Bäche als Gemeinschaftsprojekt zeitgleich geplant und angelegt. Bevor die Bachläufe in den Bebauungsplan integriert werden konnten, musste in einem Wasserrechtsverfahren ihre Gestaltung genehmigt werden.

Die Planung der Gewässerläufe orientierte sich an eine im Gebiet zu erwartende natürliche Entwicklung, aber auch an die zur Verfügung stehenden Flächen. Damit ergaben sich leicht pendelnde Bachläufe mit naturtypischen Strukturen, z.B.: unterschiedliche geneigte Ufer, Pflanzung von Ufer- und Auegehölzen, Krautvegetationsentwicklung durch natürliche Sukzession. Die Entwicklung des Biotoptyps ‘naturnahes Fließgewässer‘ stand somit im Vordergrund, mit dem gleichzeitig die Funktionen der Wasserqualität, der Wasserregimeregulierung und der Ortsbildbelebung gefördert werden.

Nachfolgende Abbildungen zeigen den ursprünglichen Bestand, d.h. die Lage der Bachverrohrungen sowie die Gestaltungsplanungen für den Paschesiepen und den Heilersiepen.




Nach Aufgabe der gewerblichen Nutzungen des KME-Walzwerkes an der Bodelschwinghstraße und des KME-Schmelzwerkes an der Unteren Promenade in den 90er Jahren sollten diese Bereiche einer geordneten städtebaulichen Nutzung zugeführt werden. Im Rahmen der Entwicklungsplanung waren grundsätzlich die Problembereiche Altlasten (kontaminierte Böden) und die Überschwemmungssituation zu berücksichtigen.

Im Zuge des Abrisses des Walzwerkes und dessen Geländesanierung war also ebenfalls die Hochwassersicherheit zu prüfen. Bereits die ersten Hochwasserberechnungen zeigten, dass sowohl das ehemalige Werksgelände, als auch Teile der Innenstadt nicht hochwasserfrei waren. Ursache für die Überschwemmungssituation waren die vorherrschenden Fließquerschnitte der Hönne, die für die abzuleitende Hochwassermenge nicht ausreichend in diesem Bereich nicht ausreichend waren.

Um die Mendener Innenstadtbereiche städtebaulich überplanen und nutzen zu können mussten daher Brücken beseitigt, aber auch der Hönne mehr Platz zur Ausbreitung bei Hochwasser gegeben werden. Insgesamt kam es mit dem Umsetzen der 2003 beantragten und genehmigten abflussrelevanten Maßnahmen zu einem Sinken der Hochwasserspiegellage und zu einer Verbesserung der Hochwassersituation im gesamten Plangebiet.

Nachfolgende Abbildungen zeigen die Hönne im Innenstadtbereich vor und nach der Umgestaltung:



Ende der 90er Jahre wurde für das Gelände des ehemaligen Eisenwerkes Rödinghausen und dessen Hinterland ein Bebauungsplan aufgestellt. Zeitgleich sollte im Rahmen eines Joint-Ventures auf der angrenzenden Fläche „Der Saure Kamp“ die Ansiedlung eines Betriebes zur Entwicklung und Fertigung innovativer Umwelttechnologien entstehen.

Sämtliche Entwicklungsflächen in diesem Bereich befanden sich innerhalb ausgewiesener Überschwemmungsgebiete. Um die Nutzung der Überschwemmungsflächen zu ermöglichen, war die Anlage eines Hochwasserdeiches erforderlich. Für den Ausgleich des hiermit verbundenen Retentionsflächen- /-volumenverlustes mussten weitere hydraulisch notwendige Maßnahmen durchgeführt werden.

Die Inanspruchnahme eines Überschwemmungsgebietes und der hierfür notwendige Ausgleich erforderte die wesentliche Umgestaltung der Hönne in diesem Abschnitt und damit ein Planfeststellungsverfahren nach § 31 Wasserhaushaltsgesetz (WHG).

Zu den 2002/2003 umgesetzten Maßnahmen gehörten der Abriss zweier Brücken und eines Wehres und v.a. die Aufweitung des vorher engen Flussschlauchs der Hönne und die Neugestaltung der Ufer nach ökologischen Gesichtspunkten.

Der Hönne, die vorher in einem künstlich angelegten, meist monoton trogförmigem Bett mit strukturarmen Uferzonen floss, wurde nun Raum zur Verfügung gestellt, in dem sie ihre Dynamik entsprechend dem jeweiligen Platzangebot frei entfalten kann. Die Gewässerdynamik sorgt auf natürliche Weise für die Entstehung und Entwicklung typischer Gewässerbiotopelemente. Diese Stärkung gewässerökologischer Funktionen wirkt sich auch positiv auf die Gewässergüte aus, da sich eine Vielzahl und Vielfalt an Gewässerorganismen ansiedeln können, die an Abbauprozessen Gewässer belastender organischer Substanzen beteiligt sind.

Nachfolgende Abbildungen zeigen einige Hönneabschnitte vor der Renaturierung im Jahr 2000 und nach der Renaturierung 2003 und dokumentieren beispielhaft das Ausmaß der Umgestaltung: